Europa muss seine Werte verteidigen

von Redaktion

Trump schielt auf Grönland

Man hat sich nach einem Jahr der zweiten Amtszeit Donald Trumps ja an vieles gewöhnt – aber die Art, wie der US-Präsident immer ungenierter auf Grönland, also das Territorium eines Verbündeten, schielt, verstört trotzdem. Die Wildwest-Methoden Trumps, für den offensichtlich nur das Recht des Stärkeren zählt, haben in der zivilisierten Welt der Demokratien eigentlich nichts verloren. Deshalb ist es richtig, wenn sich die EU-Staaten dem nun gemeinsam entgegenstellen. „Grönland gehört seinem Volk“, erklären sie. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Aber den USA, die sich selbst mal als Garanten der Freiheit in der Welt sahen, muss man das offenbar inzwischen ins Stammbuch schreiben. Und zwar in so deutlicher Sprache, dass sie sogar Donald Trump versteht.

Wenig von dem, was die USA derzeit als „Doktrin“ verkaufen, wirkt wirklich zu Ende gedacht. Der Blitzeinsatz gegen Nicolás Maduro steht da sinnbildlich: Trump ging es keineswegs darum, das Land zu demokratisieren. Er wollte offenbar nur ans Erdöl und dachte, dass sich die verbliebene Regierung ohne Diktator ganz den amerikanischen Interessen fügen würde. Dummerweise sieht es bislang nicht danach aus. Und nun? Einen großen Militäreinsatz will Trump eigentlich auch nicht. Wie das ausgeht, kann niemand sagen.

Trotz solcher offensichtlicher Kurzsichtigkeit ist der neue Hegemonialanspruch der USA nicht zu leugnen. Trump sieht sich nicht mehr als Verbündeter des Westens, er will den Westen dominieren. Und anders als in der ersten Amtszeit hat er inzwischen keine Gemäßigten mehr um sich, die ihn bremsen könnten. Täglich wird sichtbarer, wie dringend Europa sich, seine Sicherheit und seine Werte selbst verteidigen muss.MIKE.SCHIER@OVB.NET

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