Merz feuert seinen Vertrauten

von Redaktion

Künftig auf Abstand: Jacob Schrot (r.) muss das Kanzler-Umfeld sofort verlassen. © Michael Kappeler/dpa

Berlin/München – Der junge Mann, einer der mächtigsten im Kanzleramt, wurde kalt erwischt. Am Montagmorgen noch trat Jacob Schrot wie immer seinen Dienst an, koordinierte, organisierte, beauftragte. Am Vormittag dann eröffnete Friedrich Merz seinem Büroleiter: Das war‘s. Mit einem kräftigen Rumms tauscht der Regierungschef acht Monate nach Amtsantritt seinen engsten Vertrauten aus.

Die offizielle Verlautbarung: mehr als höflich, freundschaftlich. Die dazu passenden Formeln: „Gegenseitiges Einvernehmen“, „unermüdlicher Einsatz“, „Verbundenheit“. Hinter den Kulissen wird indes berichtet, dass Merz massiv gedrängt wurde, den 35-Jährigen auszutauschen. Als Büroleiter leitet Schrot den Arbeitsalltag des Kanzlers, auch die Schnittstelle zu Parteifunktionen. Hier gab es aber immer wieder Probleme. Neben Absprachepannen und Managementfehlern im Regierungsbetrieb, die teils auch Kanzleramtsminister Thorsten Frei angelastet werden, fiel Merz‘ Personalwunsch bei der Adenauer-Stiftung durch; und Merz‘ wichtiger Auftritt bei der Jungen Union mitten im Rentenstreit geriet gefährlich schwach.

Mehrere Unions-Politiker sollen ihn gedrängt haben: Kanzler, änder‘ was! Merz habe sich das gut angehört, nicht stur reagiert, berichtet ein Beteiligter. Hinzu kam Murren aus der CDU, der junge Blitzaufsteiger Schrot werde zu selbstbewusst, rede überall mit, lasse alles über seinen Schreibtisch laufen. Das allerdings – und nötigenfalls auch Pfeile auf den Kanzler abzufangen – ist auch genau seine Aufgabe. Fast alle Kanzlerbüroleiter hatten eine extrem mächtige Rolle: etwa Sigrid Krampitz für Schröder, Beate Baumann für Merkel.

Als Fehler wird nun gedeutet, dass sich Schrot zu viel aufhalste. Er hatte ja in den acht Monaten parallel auch den Nationalen Sicherheitsrat aufgebaut und verwaltet. Für Außenpolitik brennt Schrot; bei Merz‘ Antrittsbesuch bei Trump im Oval Office saß Schrot als engster Berater dabei, auf Augenhöhe mit und direkt gegenüber von Vizepräsident JD Vance.

Merz ersetzte schon mehrfach vor seiner Kanzler-Zeit enge Mitarbeiter mit kurzen, harten Schnitten. Doch dieser Schritt dürfte ihm sehr schwergefallen sein. Laut „Politico“ schleppte er die Idee von Schrots Rauswurf über die Weihnachtsfeiertage mit sich herum. Andere sehr enge Vertraute hat er ja nicht wegen seiner langen Polit-Auszeit. Genannt werden der Außenpolitik-Berater Günter Sautter (der nun kommissarisch den Sicherheitsrat lenkt), Wirtschaftsberater Levin Holle, Regierungssprecher Stefan Kornelius und Minister Frei.

Neuer Büroleiter: CDU-Bundesgeschäftsführer Philipp Birkenmaier, ein Wirtschaftsexperte, zieht um, mit genau diesem Fokus. Der 50-Jährige, in Berlin gut vernetzt, umgänglich, höflich und ebenfalls selbstbewusst, soll die wirtschafts- und innenpolitische Kompetenz im Umfeld stärken. Er arbeitete 2007 bis 2012 schon im Kanzleramt, später in der Fraktion, dann in der CDU-Zentrale. Birkenmaier schrieb dort ab 2022 in enger Zusammenarbeit mit Generalsekretär Carsten Linnemann das neue CDU-Grundsatzprogramm.

Das passt zu Merz‘ Versprechen, 2026 die innenpolitischen Reformen anzupacken – beginnend mit seinem Auftritt morgen bei der CSU in Kloster Seeon, am Freitag folgt eine CDU-Vorstandsklausur in Mainz. In einer Rund-Mail an alle Abgeordneten von Union und SPD versuchte Merz gestern bereits, seine Koalition auf einen Reformkurs einzuschwören. „Die Lage der Wirtschaft ist in einigen Bereichen sehr kritisch“, heißt es im Vier-Seiten-Brief. Industrie, Handwerk, Mittelstand stünden vor gewaltigen Herausforderungen und Stellenabbau. Seine Regierung müsse sich 2026 konzentrieren, „die Standortbedingungen durchgreifend zu verbessern“.

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