Putin beim orthodoxen Weihnachtsgottesdienst. © dpa
Moskau/Bonn – Russlands Soldaten erfüllen im Ukraine-Krieg nach den Worten von Staatsoberhaupt Wladimir Putin eine „heilige Mission“ im Auftrag Gottes. Das sagte der Präsident in der Nacht zu Mittwoch bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier in einer Kirche bei Moskau zu Militärangehörigen und ihren Familien.
In dem vom Kreml veröffentlichten Video wandte er sich zwei Minuten an die etwa zwei Dutzend Anwesenden und erinnerte daran, dass Jesus oft als Erlöser bezeichnet werde. Dieser sei auf die Erde gekommen, um alle Menschen zu retten. „Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer – sozusagen im Auftrag des Herrn – diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen“, so Putin. In Russland habe man die eigenen Krieger zu allen Zeiten auf einer „heiligen Mission“ gesehen, fügte er hinzu. Den anhaltenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erwähnte er dabei nicht direkt. Für seine Botschaft wählte der 73-Jährige eine Kirche, die nach dem Großmärtyrer Georg dem Siegreichen beannt ist.
Die orthodoxe Theologin Natallia Vasilevich protestierte gegen Putins Berufung auf die Mission Jesu Christi im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Sie beschuldigte den Staatschef im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) der Gotteslästerung. „Die Größe Russlands und der Krieg in der Ukraine sind jetzt Putins wahre Religion“, so Vasilevich. Die russischen Soldaten hätten die Ukraine angegriffen und besetzt und wollten das Land und seine Identität zerstören.
Putin nutze religiöse Narrative symbolisch, um seine Vision zu untermauern, obwohl sich beide Geschichten widersprächen. Die Theologin koordiniert von Bonn aus die ökumenische Initiative „Christen gegen den Krieg“, die die Entwicklung in Russland, der Ukraine und Belarus laufend dokumentiert und sich für Religionsfreiheit stark macht.
Weihnachten feiern russisch-orthodoxe Christen in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar. Putin gratuliert dabei regelmäßig den Gläubigen zu dem hohen Kirchenfest. Er nimmt allerdings nie an der großen Weihnachtsliturgie von Patriarch Kyrill I. in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau teil, die live im Fernsehen übertragen wird. Wiederholt besuchte Putin hingegen die orthodoxen Ostergottesdienste in der Kathedrale und tauschte dabei Geschenke mit dem Kirchenoberhaupt aus.
In Russlands Krieg gegen die Ukraine wurden seit 2022 nach Angaben von „Christen gegen den Krieg“ auch dutzende Geistliche getötet. Zuletzt sei am Montag ein ukrainisch-orthodoxer Priester in seiner Pfarrei in der Region Cherson im Südosten der Ukraine durch eine russische Drohne ums Leben gekommen.