Deutschland hat einige bekannte Tennisspieler hervorgebracht. Dass Kai Wegner mal dazuzählen würde, hatte niemand erwartet. Der Berliner Bürgermeister steht nun bundesweit da wie ein empathieloser Trottel, weil nach anfänglichem Leugnen herauskam: Während des längsten Stromausfalls der Berliner Nachkriegsgeschichte, gezielt verursacht durch Linksterroristen, verabschiedete sich der CDU-Politiker zum Tennisspielen mit seiner Freundin.
Es ist wie so oft in der Spitzenpolitik: Wegner hat damit keinen materiellen Schaden angerichtet, aber ein verheerendes Bild abgegeben in einer schweren Krise. In aller Härte: So etwas würde guten Politikern nicht passieren, die haben Instinkt und Bauchgefühl. Leider fügt sich Wegners Tennis-Panne, Thema der ganzen Republik, nahtlos ein in eine tapsige, kalte Kommunikation seiner schwarz-roten Stadtregierung nach dem Anschlag.
Wegner ist eh ein schwacher Erzähler seiner Politik, kaum Visionär, jetzt mag man ihn auch nicht mehr für einen soliden Verwalter halten. Das reicht nicht mal mehr für Berlin, das ohnehin schwer regierbar ist mit seinen starren Bezirks-Strukturen und der völlig heterogenen Stadtgesellschaft. Im September ist Wahl. In Umfragen lagen vor dem Blackout CDU, Linke, SPD, AfD und Grüne dicht beieinander. Vermutlich hat Wegner mit seinem Krisenmanagement die kurze CDU-Regentschaft in der Stadt selbst beendet.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET