Auf Samtpfoten, schimpft die Opposition, schleiche Friedrich Merz um Trumps Völkerrechtsbruch in Venezuela herum. Das tut er tatsächlich. Doch muss der Kanzler vor allem deutsche Interessen wahren. Er braucht Trump für Europas Sicherheit und einen fairen Frieden in der Ukraine. Und er will es besser machen als Merkel und andere europäische Führer ihrer Zeit: Die dozierten ständig übers „Völkerrecht“, aber taten nichts, um Europa zu einem Player zu machen, der über die Mittel verfügt, um ein Völkerrecht, das seinen Namen verdient und hinter dem sich nicht nur brutale Unterdrücker wie Nicolas Maduro und die iranischen Islamofaschisten verschanzen, auch zu verteidigen. In einer Welt der Fleischfresser werden Vegetarier verspeist.
Man muss beobachten, wie sich die Lage in Venezuela entwickelt. Doch wächst die Hoffnung, dass es nach dem US-Coup gelingt, den Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen und das Land aus der Achse des Bösen herauszubrechen, mit gravierenden geostrategischen Konsequenzen. Der losbrechende Volksaufstand im Iran zeigt, wie sehr die Vorgänge in Caracas Freiheitshoffnungen auch anderswo auf der Welt beflügeln. In Teheran ertönen immer lauter Rufe der Demonstranten nach der Rückkehr des Schahs. Die um ihre Macht fürchtenden Mullahs werden nie wieder den Volksreichtum dafür verschwenden können, Terrorbrigaden überall in Nahost zu finanzieren, um Israel zu vernichten. Auch das kommunistische Regime in Kuba dürfte ohne Öl aus Venezuela bald wanken. Und die Autokraten in China und Moskau verlieren ihre willigsten Handlanger. Putins ohnmächtige Reaktion auf die Kaperung eines Schiffes seiner Schattenflotte, das Irans Mullahs Waffen geliefert haben soll, zeigt die Verlegenheit Moskaus, das – nach Syrien und Venezuela – mit Iran um den nächsten Vasallen bangt.
Könnte Trumps skrupelloses Vorgehen China den Vorwand für einen Überfall auf Taiwan liefern? Möglich. Aber spätestens jetzt muss man in Peking damit rechnen, dass Trump auch dann hart reagieren würde. Bleibt das Problem Grönland. Auch wenn die Europäer jetzt die Backen aufblasen, werden sie in Verhandlungen einwilligen müssen. Denn Europa braucht die USA für die Ukraine und gegen Russland mindestens so sehr, wie Trump angeblich Grönland gegen China braucht.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET