Gemischtes Doppel: Wegner, Günther-Wünsch. © dpa
München/Berlin – Wahrscheinlich hat Kai Wegner Glück im Unglück gehabt, jedenfalls gibt es bisher keine Bilder von seiner Tennispartie. Aufnahmen von ihm und seiner Freundin, womöglich lachend, das wäre für Berlins Regierenden Bürgermeister fatal. Viel besser ist er so aber auch nicht dran, die Fakten sprechen für sich. Während Zehntausende am Samstag seit Stunden ohne Strom waren, schaltete Wegner mit seiner Partnerin Katharina Günther-Wünsch ab. Pikanterweise ist die auch noch Bildungssenatorin.
Das war der eine Fehler, den der CDU-Politiker jetzt zu erklären hat. Der zweite ist, dass er seinen Ausflug auf den Court erst einräumte, als er schon fast Stadtgespräch war. Am Sonntag, Tag zwei des Blackouts, hatte er auf Anfrage noch weisgemacht, den ganzen Samstag im Homeoffice mit Telefonaten und Krisenmanagement verbracht zu haben. Erst am Mittwoch fiel es ihm plötzlich ein: Eine Stunde Tennis, „weil ich den Kopf freikriegen wollte“, das Handy in Reichweite und laut gestellt, anschließend zurück an den Schreibtisch. Mit wem er die Bälle schlug, erwähnte er auch da nicht. Diese Nachricht reichten Medien am Abend nach.
Wenig überraschend fliegt ihm sein Vorgehen nun um die Ohren wie ein krachender Return. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), Wegners unmittelbare Vorgängerin, gab an, sie könne das Handeln „nicht ganz nachvollziehen. Ich kann nur sagen, ich bin mit der Situation anders umgegangen.“
Deutlich ungnädiger klingt es bei den aktuellen politischen Gegnern. AfD und FDP fordern unverblümt Wegners Rücktritt, Linken-Landeschef Maximilian Schirmer durch die Blume ebenfalls: „Wer lieber Tennis spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist.“
Vor seiner Fraktion musste sich Wegner gestern erklären, offenbar gelang ihm das. Ein CDU-Abgeordneter kam zu dem bemerkenswerten Urteil: „Er hat die Krise gut gemanagt, hat sich gekümmert, er war vor Ort.“ Vielleicht ist das ein Big Point für Wegner, um in der Sprache seines Sports zu bleiben. Aber er weiß: Sicher sein kann man beim Tennis erst nach dem letzten Schlag.MB