Der brummelig-langweilige Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt ist nicht der weltgrößte Unterhalter, auch kein Instagram-Kracher. Aber ein Typ: bodenständig, glaubwürdig. So sehr der 71-Jährige seinen Ruhestand verdient hat – dass er zur Landtagswahl im September nicht mehr antritt, ist ein schwerer Fehler. Nun hat die AfD alle Chancen, den ersten Ministerpräsidenten in der Geschichte zu stellen, vielleicht gar mit absoluter Mehrheit, sie liegt bei 40 plus X.
Der nun geplante vorzeitige Rückzug, die Eil-Übergabe an den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze, ist eine Notlösung. Haseloff tauscht sein Wahlversprechen, bis Ende der Amtszeit zu regieren, gegen die Hoffnung ein, Schulze noch ein bisschen Amtsbonus zu verschaffen. Das ist keine Strategie, das ist Verzweiflung. Bisher haben die Parteien der Mitte in mehreren Ost-Ländern null Konzept gegen die AfD gefunden. Für die CDU wird‘s eher noch schlimmer: Falls die AfD unter der absoluten Mehrheit bleibt, müssten sich Merz‘ Leute dann entscheiden, ob sie mit der teils extremen Linken ein Bündnis gegen die extreme Rechte schmieden. Oder ob ein Land ein paar Monate faktisch unregierbar vor sich hin taumelt mit einem geschäftsführenden MP ohne Haseloffs Autorität. Das wird ein hässlicher Herbst.