Traktoren vor Eiffelturm und Triumphbogen, Bauernblockaden in Berlin und Niedersachsen: Das Freihandelsabkommen Mercosur ist unter Landwirten heftig umstritten. In Zeiten, in denen Donald Trump seine Interessen in Venezuela in Wildwest-Manier durchsetzt, nach Grönland greift und Zwietracht innerhalb der EU säen will, ist der Pakt zwischen Europa und Lateinamerika aber ein echter Achtungserfolg.
Ja, der Handelsvertrag mit der Staatengruppe um Brasilien und Argentinien mag nicht in jedem Detail perfekt sein. Dass die beiden angezählten Regionen sich endlich wirtschaftlich zusammentun, macht sie aber stärker. Der Deal erschließt angesichts der Handelskonflikte mit den USA und China alternative Wachstumsmärkte, etwa für Europas Chemie, Auto- und Maschinenbauer. Und er zeigt, dass man den ehrbaren Kaufmann in einer Welt, die plötzlich von unberechenbaren Revolverhelden dominiert wird, noch nicht abschreiben sollte.
Wollen Deutschland und Europa trotz rauerem globalen Umfeld relevant bleiben, müssen sie militärisch mehr Stärke zeigen. Gleichzeitig brauchen die traditionellen Handelsmächte aber noch mehr solche wirtschaftliche Partnerschaften, etwa mit Indien, Australien oder ASEAN-Ländern wie Singapur und Vietnam. Dabei ist Tempo gefragt. Bis zum Abschluss darf nicht wieder ein Vierteljahrhundert vergehen, wie das bei Mercosur der Fall war. ANDREAS.HOESS@OVB.NET