Baut auf die Bauern: Michaela Kaniber (CSU). © dpa
München – Bayerns Ernährungs- und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) warnt eindringlich davor, in Fragen der Ernährungssicherheit die Fehler zu wiederholen, die Deutschland bereits mit seiner Energieabhängigkeit von Russland begangen habe. „Europa muss endlich die Augen öffnen“, sagt Kaniber unserer Zeitung. „Während Russland die Produktion von Weizen in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat, und China bei rund 18 Prozent der Weltbevölkerung rund die Hälfte der weltweiten Weizenvorräte hortet, haben wir in der EU bis zuletzt noch darüber diskutiert, welche Flächen wir noch stilllegen könnten“, kritisiert die Ministerin.
US-Präsident Donald Trump habe Europa zwar mit Blick auf seine mangelhafte Verteidigungsfähigkeit wachgerüttelt, sagt Kaniber. „Aber über den Zivilschutz wird in Europa fast gar nicht gesprochen“ – und dazu gehöre auch die Landwirtschaft, die unabhängig von Importen für Ernährungssicherheit sorge. „Zudem muss Deutschland auch darauf vorbereitet sein, im Verteidigungsfall hundertausende Nato-Soldaten mit Nahrung versorgen zu können.“ Kaniber fordert deshalb: „Die Landwirtschaft ist genauso wichtig wie die Bundeswehr – und muss auch mit der gleichen Priorität behandelt werden.“
Ohnhehin seien es oft die Bauern, auf die im Krisenfall Verlass sei – ob nun bei einem großflächigen Stromausfall wie gerade in Berlin Dieselgeneratoren gebraucht würden, oder wie bei der Flutkatastrophe im Ahrtal, Schutt und Schlamm aus dem Weg geräumt werden müssten. „Vermutlich sind also am Ende unsere Landwirte unsere stärksten Soldaten“, sagt die Ministerin.
Doch noch immer hingen EU-Initiativen wie die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur wie ein „Damoklesschwert“ über Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei, weil sie ihnen immer mehr Auflagen auferlegten, während gleichzeitig die Unterstützung zurückgefahren werde. Kanibers Botschaft nach Brüssel lautet deshalb: „Man kann an vielen Stellen sparen, aber nicht bei der Landwirtschaft.“
Kaniber ist seit Jahresbeginn auch die Vorsitzende der deutschen Agrarministerkonferenz. SEBASTIAN HORSCH