WIE ICH ES SEHE

Regime-Wechsel sieht anders aus

von Redaktion

Früher galt der berühmte Satz des preußischen Militärstrategen Clausewitz, dass Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sei. Das widerspricht dem heutigen Grundsatz der UN-Charta, wonach kriegerische Angriffe nur unter ganz eng gesetzten Voraussetzungen erlaubt sind. Gleichwohl aber gibt es gute Gründe, den Sturz des tyrannischen Verbrechers Nicolás Maduro in Venezuela zu feiern. Doch muss die Feierlaune vergehen, wenn man sieht, dass es der Trump-Regierung vor allem um das Erdöl geht, während das autokratische Unrechtssystem in Venezuela die Zügel noch fester anzieht.

Für die USA könnte das venezolanische Öl sich noch als ein Danaergeschenk erweisen. Die Wiederherstellung der Produktionsanlagen wird Milliarden verschlingen und Jahre dauern. Und aus der US-Wirtschaft selber melden sich schon die Schieferöl-Produzenten, die fürchten, nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein. Den gestürzten Maduro durch einen anderen „Maduro“ aus dem gleichen System zu ersetzen, ist nicht das, wovon alle Freiheitsliebenden und insbesondere die acht Millionen geflohenen Auslands-Venezolaner träumen.

Gleichwohl hat der nächtliche Angriff auf den Tyrannen und seine Entführung die Stellung der USA gestärkt. Über Jahre hat Kreml-Chef Putin geschickt versucht, von Venezuela aus über Kuba ein ihm höriges Netzwerk vor den Türen der USA zu schaffen. Damit ist es jetzt vorbei, wo Russland sogar hinnehmen muss, dass Schiffe seiner Öl-Schattenflotte von Amerikanern kontrolliert und besetzt werden.

Das militärische Ansehen der USA ist durch den gelungenen nächtlichen Angriff ebenfalls mächtig gestiegen. Keine Militärmacht der Welt wäre vermutlich in der Lage gewesen, so eine Aktion durchzuführen. Die von Russland vorsorglich in Caracas stationierten S-300-Schutzraketen haben wohl auch nicht funktioniert zur Abwehr. Nachdem Moskau durch das israelische Vorgehen gegen die Hisbollah schon seinen Schützling Assad in Syrien verloren hat, ist mit Maduro nun der nächste Vasall von der Bildfläche verschwunden. Moskau ist nicht mehr in der Lage, seine Außenstellen zu schützen, ganz gleich, ob in Syrien, in Venezuela und demnächst vielleicht im Iran oder in Kuba.

Bei der nächtlichen Aktion sind dem Vernehmen nach alle 40 kubanischen Bewacher des Tyrannen ums Leben gekommen. Wo waren eigentlich venezolanische Truppen? Wurde Maduro vielleicht sogar verraten von seinem eigenen Regierungsapparat, angeführt von den Geschwistern Rodriguez, die jetzt ihre Macht ausbauen? Ganz bewusst wurde die Nobelpreisträgerin und populäre Oppositionsführerin Maria Corina Machado von der Macht ferngehalten für die vorhersehbare Zukunft.

Die Kontrolle über das Öl, die Trump versprochen wurde, hat große Auswirkungen nicht nur auf Russland und seine Schattenflotte, sondern vor allem auf Kuba. Dessen ohnehin strauchelndes Regime ist auf das venezolanische Öl dringend angewiesen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob das dortige System endlich zusammenbricht. Das würde vor allem den Kuba-Falken in der Trump-Regierung gefallen, zu denen der Miami-Kubaner Außenminister Rubio gehört. Wo Trump auf Beutezug geht, muss Europa wach bleiben und jetzt erst recht der Ukraine beistehen.

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