Todesdrohungen aus Teheran

von Redaktion

Ein Demonstrant in Teheran hält ein Bild des Schah-Sohns Reza Pahlavi in die Höhe. © dpa

Teheran/Washington – Die Massenproteste im Iran halten trotz wachsender Todeszahlen, exzessiver Drohungen des Sicherheitsapparats und einer nahezu vollständigen Internetsperre an. Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 185 Städte ausgeweitet.

Mindestens 490 Menschen seien getötet worden, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf das Menschenrechtsnetzwerk HRANA. Die tatsächliche Zahl könnte höher liegen. Die Kommunikation nach außen ist durch Internetsperren und blockierte Telefonleitungen stark eingeschränkt.

Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf warf der Protestbewegung vor, eine Grundlage für eine Militärintervention der USA schaffen zu wollen. Die „Feinde“ müssten jedoch wissen, dass die Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte Qalibaf laut Übersetzung des Propagandakanals Press TV.

Er bezeichnete die Demonstrationen als einen von den USA inszenierten „terroristischen Krieg“ gegen den Iran. Qalibaf drohte, dass jede Attacke der USA zu Vergeltungsschlägen gegen regionale US-Militärstützpunkte und auf Israel führen werde.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor den Teilnehmern der Massenproteste Unterstützung zugesichert. „Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!“, hatte Trump auf seiner Plattform Truth Social geschrieben. Wie die Hilfe aussehen soll, ist unklar.

Die „New York Times“ meldete unter Berufung auf US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen.

Der Iran-Experte Ali Vaez zeigte auf X ein Dilemma auf: „Wenn die USA zu wenig tun, könnten sie möglicherweise nichts bewirken. Wenn sie zu viel tun, könnten sie möglicherweise alles zerstören, mit unvorhersehbaren Folgen für alle.“

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul, der auf dem Weg in die USA ist, forderte im ZDF die iranische Staatsführung auf, freie Wahlen zuzulassen und das Internet wieder einzuschalten. Er wolle sich in Washington informieren, was die US-Regierung plane. „Wir sind jedenfalls der Meinung, dass gegen dieses Regime vieles unternommen werden muss.“ Der CDU-Politiker bekannte sich zu der bisherigen Linie gegenüber Teheran: „Das, was wir jetzt an Protesten sehen, ist eine Folge von Sanktionen. Das heißt, Sanktionen wirken.“

Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, rief zu weiteren Demonstrationen auf. „Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstraßen der Städte zu begeben. Trennen Sie sich unterwegs nicht voneinander oder von der Menschenmenge und nehmen Sie keine Seitenstraßen, die Ihr Leben gefährden könnten“, sagte Pahlavi. Aus seinem Exil in den USA heraus beansprucht er eine Führungsrolle in der Opposition.

Am Samstag hatte Pahlavi noch zu landesweiten Streiks aufgerufen. Arbeiter und Angestellte in Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Er forderte außerdem Demonstranten dazu auf, zentrale Plätze in Städten zu besetzen und zu kontrollieren. Wegen der Internetsperre ist unklar, ob und in welchem Ausmaß Menschen seinem Aufruf gefolgt sind.

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