Spaß bei der Arbeit: Merz und Modi besuchen ein Drachenfestival. © dpa
Besuch in der Heimat von Narendra Modi: Der Premierminister von Indien, mit seinem Gast Friedrich Merz an der Gedenkstätte für Mahatma Gandhi, dem Gandhi Ashram. © –
Ahmedabad – Als eine der ersten offiziellen Amtshandlungen auf seiner Reise zieht der Bundeskanzler die Schuhe aus. Auf besondere Einladung von Narendra Modi reist Friedrich Merz nicht in die Hauptstadt Neu-Delhi, sondern nach Ahmedabad in Gujarat, dem Heimatstaat des indischen Premiers. Dort besuchen sie, aus Respekt auf Socken, das Geburtshaus von Mahatma Gandhi.
Es ist die erste Reise des Kanzlers nach Asien. Wegen der neuen geopolitischen Lage mit einem unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump suchen Deutschland und die EU neue starke Partner. Mit seiner zweitägigen Reise will er „ein Zeichen setzen für die strategische Partnerschaft mit Indien“, sagt Merz. Gleichzeitig kann der Kanzler einen Überraschungserfolg vermelden. Das Handelsabkommen zwischen der EU und Indien, das seit 18 Jahren verhandelt wird, hat einen „großen Fortschritt“ gemacht. „Es gibt jetzt große Chancen, ein Freihandelsabkommen zwischen Indien und Europa abzuschließen.“
Ursprünglich sollte das Abkommen Ende Januar beim EU-Indien-Gipfel unterzeichnet werden. Doch Experten sahen zuletzt keine wirkliche Chance auf einen zeitnahen Abschluss. Schwierigkeiten gab es beim CO₂-Grenzausgleichsmechanismus, der Stahlpolitik und Kontingenten bei der Autoindustrie. Diese Hürden scheinen laut Merz überwunden. Erst vergangene Woche beschloss die EU nach 25 Jahren Verhandlungen Mercosur, ein Abkommen der EU mit Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Venezuela.
Bei der Indien-Reise wird der Kanzler hofiert. Modi und Merz sprechen eine knappe Stunde lang unter vier Augen, während sie in der Limousine an hunderten Plakaten mit Fotos von Kanzler und Premier vorbeifahren. Indien braucht neue Partner. Das Land ist von Trumps Willkür bei der Zollpolitik betroffen, und bei der Energieversorgung abhängig von Russland. Da sind Deutschland und die EU Alternativen. Mehr als 2000 deutsche Unternehmen sind in Indien aktiv, 700 indische Unternehmen investieren in Deutschland. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von fast 50 Milliarden Euro ist Deutschland Indiens wichtigster Partner in der EU. Eine große Wirtschaftsdelegation begleitet Merz.
Auf der Reise wirbt Merz auch für einen wichtigen U-Boot-Deal: sechs U-Boote von Thyssenkrupp Marine Systems im Wert von acht Milliarden Euro, die auf einer Werft in Mumbai gebaut werden sollen. Auch dieser Deal verzögerte sich zuletzt. Aber Merz lässt durchblicken, dass er mit einem Abschluss rechnet. „Wir haben wegweisende Absichtserklärungen unterzeichnet, eine davon sieht vor, dass unsere Verteidigungsindustrien im Bereich Entwicklung und Produktion enger zusammenarbeiten.“
Der mögliche Rüstungsdeal hängt mit dem wohl heikelsten Thema der Reise zusammen: dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Indien pflegt sowohl zu seinen westlichen Partnern als auch zu Russland gute Beziehungen. Ende 2025 begrüßte Modi Wladimir Putin mit inniger Umarmung. Indien kauft einen Großteil seines Öls bei Russland. Mit den Einnahmen finanziert Putin den Krieg. Aber zumindest bei der Rüstungsindustrie hat sich Indien bewegt. Seit dem Krieg bestellt das Land in Russland keine Waffen mehr. „Wir haben ein strategisches Interesse zu zeigen, dass die regelbasierte Ordnung auf dieser Welt nicht am Ende ist“, sagt Merz. Indien und Deutschland „teilen die Einschätzung“ über den russischen Angriffskrieg. Aber die indische Regierung ist abhängig von Putin. Modi habe ihm „sehr ausführlich erläutert, dass Indien als ein Kontinent mit 1,4 Milliarden Einwohnern, der über wenig eigene Energieressourcen verfügt, abhängig ist von russischen Öl- und Gasimporten“. Wenn Indien diese Abhängigkeit reduzieren könnte, würde es das tun.