Noch immer erst 39: Ex-Kanzler Sebastian Kurz. © dpa
Kloster Banz – Blauer Anzug, weißes Hemd, rosige Gesichtsfarbe – der Unternehmer Sebastian Kurz sieht eigentlich noch genauso aus, wie man den Regierungschef Kurz in Erinnerung hat. Zwar ist der Wiener offiziell Ex-Politiker, dennoch ist er der Einladung der CSU-Landtagsfraktion ins oberfränkische Kloster Banz gefolgt. Er komme gerade aus Tel Aviv und müsse als Nächstes nach Abu Dhabi, da freue er sich über ein wenig bayerischen Winter, sagt der noch immer erst 39-Jährige.
Kurz war zwei Mal Österreichs Bundeskanzler, bevor 2021 Ermittlungen gegen ihn bekannt wurden, und er sich schließlich aus der Politik zurückzog. Vom Vorwurf der Falschaussage wurde er inzwischen freigesprochen, weitere Ermittlungen gegen ihn laufen noch. Die Zeit seit seinem Rückzug im Oktober 2021 hat er genutzt, um ein internationales Unternehmen für Cybersicherheit und KI mitaufzubauen. Recht erfolgreich: Der Wert wird auf über eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Würde Kurz seine Anteile jetzt verkaufen, könnte ihn das zum dutzendfachen Millionär machen.
Dass er bei der CSU-Landtagsfraktion zu Gast ist, dürfte auch mit der „über Jahre gewachsenen Freundschaft“ zusammenhängen, von der Parteichef Markus Söder erzählt. Zwar seien die Koalitionen, die Kurz in Wien angeführt hat – eine mit der rechten FPÖ, eine mit den Grünen – eher keine Modelle für Bayern. Doch der weit in sehr konservative US-Kreise vernetzte Kurz könne „vielleicht auch ein paar Tipps geben“ wie manche Äußerung aus dem Trump-Kosmos zu deuten sei, sagt Söder. Der Österreicher versucht es. In der Grönlandfrage wisse er nicht, wie es ausgeht, glaube aber, dass man Trump, wenn er sich wie in diesem Fall irgendwo „reinbeißt“, sehr ernst nehmen müsse. Was das transatlantische Verhältnis angehe, sei er aber „grundsätzlich ein Optimist“, sagt Kurz. Die aktuellen Meinungsverschiedenheiten seien dabei gar nicht so überraschend, wie manche glaubten – und auch nicht so unüberwindbar.
Was die CSU-Abgeordneten auch interessiert, sind Kurz’ Erfahrungen in einer Regierung mit der rechten FPÖ. Für Österreich sei seine Koalition mit den Freiheitlichen „sicher die erfolgreichste“ gewesen, weil man die meisten Reformen vorangebracht habe, sagt Kurz. Die Freiheitlichen könne man aufgrund ihrer unterschiedlichen Geschichte allerdings nicht mit der deutschen AfD vergleichen.SEBASTIAN HORSCH