Mehr Demenzfälle setzen Kliniken unter Druck

von Redaktion

Sieben Prozent aller Krankenhauspatienten in Bayern leiden an Demenz. © IMAGO

München – Mit 1,8 Millionen Betroffenen in Deutschland ist Demenz mittlerweile eine Volkskrankheit. In Bayern leben bereits rund 255 300 Demenzerkrankte, bis 2040 steigt die Zahl auf etwa 335 300 Menschen. Aktuelle Zahlen des Barmer-Krankenhausreports zeigen: Auch die Zahl der Krankenhausaufenthalte von Demenzerkrankten in Bayern wird zunehmen und die Versorgung in den Kliniken vor Herausforderungen stellen.

Die Prognosen gehen von einem Anstieg von gut neun Prozent auf 176 500 Krankenhausfälle mit an Demenz erkrankten Patienten in Bayern aus. „Schon heute leiden in Bayern mehr als sieben Prozent aller Patientinnen und Patienten im Krankenhaus an Demenz, Tendenz steigend“, sagt Alfred Kindshofer, Landesgeschäftsführer der Barmer in Bayern. „Für Betroffene ist ein Klinikaufenthalt besonders belastend, nicht nur wegen des ungewohnten Umfeldes, sondern auch wegen des ständigen Wechsels der pflegerischen und ärztlichen Versorgung.“

Demente Patienten unterscheiden sich nämlich von anderen Patienten. So werden sie öfter wegen Herzinsuffizienz (+ 14,5 Prozent), Oberschenkelhalsbruch (+ 116 Prozent) oder Dehydration (+ 207 Prozent) in einer Klinik behandelt. Außerdem bleiben Demenzerkrankte mit durchschnittlich sieben Tagen zwei Tage länger im Krankenhaus als der Durchschnittspatient über 65 Jahre. Und auch die Komplikationen während eines Krankenhausaufenthalts, wie etwa ein Delir, können bei Demenzpatienten zur Herausforderung werden. Oftmals wird der starke Verwirrtheitszustand während eines Delirs der Demenz zugerechnet. Laut dem Barmer-Krankenhausreport leiden aber Demenzpatienten mit im Schnitt 11 Prozent deutlich öfter an einem lebensgefährlichen Delir als die durchschnittlichen Krankenhauspatienten über 65 Jahre mit drei Prozent.

Ganze elf Prozent der Patienten mit Demenz verstarben während oder kurz nach der stationären Behandlung. „Es braucht demenzsensible Krankenhausstrukturen, die sowohl baulich, organisatorisch als auch multiprofessionell den Besonderheiten des Krankheitsbildes entsprechen“, fordert Kindshofer. Denn neben den täglichen Herausforderungen in der Versorgung wie Personalmangel und Zeitdruck fühlt sich nur etwa ein Drittel der Pflegekräfte ausreichend auf den Umgang mit dementen Patienten vorbereitet.

Aber auch die Prävention muss gestärkt werden. Im Jahr 2023 sind knapp 53 Prozent der Demenzpatienten wegen eines Notfalls, wie ein Sturz, eingeliefert worden. Zum Vergleich: Unter den Patienten ab 65 Jahren war dieser Anteil mit 35,5 Prozent deutlich geringer. Es brauche „Sturzprävention und Mobilitätsförderung Betroffener sowie eine Anpassung des häuslichen Umfelds“, fordert Kindshofer.L. HUDELMAIER

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