„Wir sind voll Hoffnung“

von Redaktion

So sehen Iraner, die in Oberbayern leben, den Aufstand in ihrer alten Heimat

Sasan Harun-Mahdavi (Leben & Leben Lassen, ein Verein der nicht-monarchistischen iranischen Opposition): „Der Basar war bereits 1979 der Ausgangspunkt für den Sturz des Schahs – und dass der Aufstand gegen die Mullahs jetzt wieder von den Händlern ausgeht, gibt uns Hoffnung, dass auch dieses Regime jetzt stürzen wird. Anders als beim Protest 2022/23, als sie den Demonstranten mit Schrotkugeln ins Gesicht geschossen haben, schießen sie diesmal scharf. Tausende sind schon umgekommen. Und trotzdem wird der Protest sich nicht einschüchtern lassen, das Regime ist zu weit gegangen. Neu ist, dass sich auch die nicht-monarchistische Opposition hinter den Schah-Sohn Reza Pahlavi stellt, so dass es eine einheitliche Front gegen das Regime gibt. Pahlavi will nicht neuer König werden, sondern agiert als Friedensstifter und liberaler überparteilicher Oppositionsführer. Aber trotzdem bin ich überzeugt, dass der Umsturz ohne militärische Unterstützung von Israel und den USA nicht funktionieren wird.“

Ali Shahian und Farhid Habibi (Menschenrechtsverein The Munich Circle): „Es ist momentan extrem schwer, Kontakt zu Iranerinnen und Iranern zu halten. Mobilfunk, Internet und Festnetz sind nahezu vollständig gekappt. Nur in Ausnahmefällen erreichen uns Nachrichten. Darin ist von einem Ausmaß der Brutalität die Rede, das jede Vorstellungskraft sprengt. In Krankenhäusern stapeln sich Leichen. Die Bevölkerung im Iran lechzt nach Hilfe von außen. Niemand will, dass US-Präsident Donald Trump oder der Westen das Schicksal des Landes diktieren. Was sich die Menschen jedoch erhoffen, ist eine gezielte militärische Unterstützung durch die USA oder Israel zur Schwächung der Revolutionsgarden und der Sicherheitskräfte, die derzeit mit scharfer Munition auf Demonstrierende schießen.“ Maryam Giyahchi (Stadtbund Münchner Frauenverbände, SPD): „Die Menschen im Iran, die aktuell gezielt erschossen werden, schreien um Hilfe von außen. Sie müssen gerettet werden. Es geht um Befreiung, nicht um ideologische Grabenkämpfe mit dem Westen. Ich selbst bin dem Schah-Sohn Reza II. zwar skeptisch gegenüber. Aber wenn er der Weg zur Demokratie ist, dann soll es so sein.“

Mahmud Foroughi aus Erding: „Die Inflation liegt bei über 43 Prozent – die Menschen sind wirtschaftlich kaputt. Die Mullahs sind fanatisch. Sie bringen erst einmal so viele Menschen wie möglich um. Aber das Volk hat noch nicht aufgegeben. Ohne deutlich härteren Druck aus den USA und von der Europäischen Union wird sich aber nichts ändern.“K. RIMPEL, F. WEBER, V. FUCHS

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