Trügerische Ruhe: Ein Mann trinkt Kaffee in Teheran. © dpa
Teheran/Washington – Die Massenproteste im Iran sind vorerst verstummt, doch die Angst bleibt. Die tödliche Gewalt der Sicherheitskräfte hat tiefe Spuren der Einschüchterung gezogen, die Straßen sind wieder leer. Während viele im Land versuchen, das Geschehene zu verarbeiten, wächst die Furcht vor dem, was noch kommen könnte: ein militärischer Konflikt mit den USA.
Seit gut einer Woche ist die Bevölkerung vom Internet abgeschnitten. Zwar sind seit Kurzem wieder Auslandsgespräche möglich, eingehende Anrufe bleiben jedoch blockiert.
Inmitten der angespannten Lage richtet sich der Blick vieler nach Washington. US-Präsident Donald Trump hatte seit Beginn der Proteste Ende Dezember mehrfach rote Linien gezogen – doch selbst nach deren Überschreitung durch Teheran blieb eine Reaktion aus. Das führt aktuell zu wachsender Verunsicherung im Iran. Die US-Regierung reagiert auf das brutale Vorgehen gegen die Proteste bisher mit einer neuen Welle von Sanktionen gegen iranische Politiker und Unternehmen. Nach Auffassung des Weißen Hauses hat der Iran wegen des Drucks aus Washington die für Mittwoch geplante Hinrichtung von 800 Demonstranten gestoppt. Am Donnerstag berichtet ein Bewohner Teherans am Telefon, ein möglicher Krieg sei das beherrschende Gesprächsthema in der Stadt – sei es durch US-Militärschläge oder ein Eingreifen Israels. Die „New York Times“ schrieb allerdings, dass unter anderem auch Israels Ministerpräsident Netanjahu um einen Aufschub eines US-Angriffs gebeten habe, um sein Land besser vorbereiten zu können.
In den vergangenen Tagen wurde das Ausmaß der staatlichen Gewalt gegen die Proteste deutlicher. Menschenrechtsgruppen im Exil berichten von schweren Übergriffen der Staatsgewalt. Die Organisation Iran Human Rights mit Sitz in Oslo bezifferte die Zahl der getöteten Demonstrierenden auf 3428. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Ein besonders schwerer Fall staatlicher Gewalt soll sich nach Angaben von Aktivisten in der nordiranischen Stadt Rascht ereignet haben. Dort hätten sich Demonstrierende einem Augenzeugen zufolge mit erhobenen Händen den Sicherheitskräften ergeben – und sollen erschossen worden sein.