Berlin – Ältere mischen bei digitalen Angeboten inzwischen kräftig mit. „Man kann mit dem Klischee aufräumen, dass Seniorinnen und Senioren sich nicht im Internet auskennen“, sagt Ralf Wintergerst, Chef des Branchenverbands Bitkom. Einer repräsentativen Umfrage des Verbands zufolge nutzen inzwischen drei Viertel der Generation 65 plus das Internet. Selbst jeder zweite über 80-Jährige ist online. Gegenüber der ersten Umfrage vor zehn Jahren hat sich der Anteil der Nutzer fast verdoppelt.
In der Altersgruppe der 65- bis 69-Jährigen gehört das Netz selbstverständlich zum Alltag. 98 Prozent von ihnen sind im Internet aktiv. Erst mit Mitte 70 geht die Nutzung dann deutlich zurück. Laut Wintergerst tragen mehrere Faktoren zur Verbreitung der Digitalisierung Älterer bei. Die jetzige Rentnergeneration habe etwa schon im beruflichen Alltag den Umgang mit digitalen Angebote erlernt und nutzt diese Kenntnisse später weiter.
Nur ändern sich die Gründe für die Internetnutzung. 91 Prozent kümmern sich im Netz um Freizeitaktivitäten, 78 Prozent halten sich damit gedanklich fit. Und auch der Kontakt zu Freunden und Familie ist ein vorherrschendes Motiv, online zu gehen. „Sie erkennen die Chancen“, sagt Wintergerst, „wünschen sich mehr und schnelleren Fortschritt“. Allerding bestehe auch der Wunsch, bei der Digitalisierung mitgenommen zu werden.
Das ist auch eine Erkenntnis von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU). Es brauche vor allem eine verständliche Begleitung und verlässliche Zugänge, insbesondere in ländlichen Regionen, sie, „Digitalisierung kann Selbständigkeit, Sicherheit und Soziale Teilhabe bis ins hohe Alter stärken“. Prien will mit Projekten wie den Digitalen Engeln, bei dem Jüngere Älteren digitale Kenntnisse vermitteln, und Weiterbildungsangeboten an der VHS und anderen Einrichtungen den Zugang zu digitalen Angeboten erleichtern.
Der Bedarf an Unterstützung ist nach wie vor da
Der Bedarf ist Unterstützung ist vorhanden. Fast alle Befragten wünschen sich entsprechende Angebote vom Staat. Bisher übernehmen vor allem Freund oder Familienmitglieder die Einführung in digitale Technologien. Die Offenheit dafür ist groß, auch für die Künstliche Intelligenz (KI). Immerhin 58 Prozent stehen dieser Entwicklung aufgeschlossen oder sehr aufgeschlossen gegenüber.
Mehr als die Hälfte der Senioren hat entsprechende Anwendungen schon genutzt, zum Beispiel Chat GPT. Jeder zweite kann sich auch vorstellen, eine KI um Rat in Gesundheitsfragen zu fragen. Und knapp 30 Prozent würden mit eine KI sprechen, wenn sie sich einsam fühlen.
Ein Leben ohne Internet können sich drei von vier Älteren nicht mehr vorstellen. Es gibt aber auch eine große Gruppe, die der Digitalisierung skeptisch bis ablehnend gegenüber steht. Jeder vierte Ältere ist gar nicht online. Die Hälfte dieser Gruppe gibt an, dass sie sich mit dem Internet nicht auskennt. 40 Prozent der Skeptiker hat Sicherheitsbedenken. Nur ein kleiner Teil ist gesundheitlich nicht mehr in der Lage, sich online zu bewegen.WOLFGANG MULKE