Die Wut der Grönländer auf Trump

von Redaktion

Einheimische haben die Sorge, dass US-Minenprojekte die Umwelt zerstören könnten

Fischer im Hafen der Hauptstadt Nuuk. © Maloletka/dpa

München – Grönland ist zwar rund sechsmal so groß wie Deutschland, aber es leben nur rund 53 000 Menschen auf der größten Insel der Welt. Die Autorin Birgit Lutz beschreibt in ihrem Buch „Heute gehen wir Wale fangen“ (BTB Verlag, 25 Euro), wie sehr die grönländischen Inuit unter der Kolonialisierung durch Dänemark leiden mussten: „Sie wurden von den Dänen als minderwertig erachtet, wurden zwangsumgesiedelt, Frauen wurden sogar zwangsweise sterilisiert, ihr bisheriger Lebensstil mit Robbenjagd und Tausch- statt Geldgeschäften wurde unmöglich gemacht.“ Die Folge: Alkoholmissbrauch, eine erschreckend hohe Selbstmordrate.

Heute haben die Grönländer ein ambivalentes Verhältnis zu Dänemark, erzählt Lutz: „Eine Gruppe will zwar immer noch die Unabhängigkeit, ein anderer Teil ist aber überzeugt: Allein können wir nicht bestehen.“ Denn zu groß ist die wirtschaftliche Abhängigkeit. Und die Autonomie, die Kopenhagen gewährte, führt dazu, dass etwa über Minenprojekte abgestimmt wird – und so auch umweltschädliche Großprojekte abgewehrt werden konnten.

Die Befürchtung: Unter der Herrschaft eines Donald Trump, der es ja erklärtermaßen auf die Bodenschätze abgesehen hat, wird auf den Willen der Grönländer keine Rücksicht mehr genommen. „Unsere Jagdgründe und unsere Umwelt werden zerstört, und wir Grönländer haben nichts davon“, beschreibt Lutz die Stimmung unter ihren grönländischen Bekannten. Trumps Griff nach Grönland habe „Wut und Besorgnis“ ausgelöst.

Aber immerhin ist das Schicksal der Grönländer dank der aggressiven US-Ambitionen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt: „Vielleicht entsteht dadurch langfristig etwas Positives, weil Dänen und Grönländer ein Stück weit zusammenwachsen. Denn von den USA beherrscht werden will keiner der Grönländer, die ich kenne.“

Die Aufmerksamkeit, die sie gerade erhalten, ist vielen Inselbewohnern zu viel. Andererseits möchten sie möglichst viele Menschen für ihre Sache gewinnen. Tillie Martinussen gibt deshalb gerade jeden Tag Interviews. „Ich finde, es ist meine Pflicht als Grönländerin, jedem zu sagen: Wir wollen das nicht.“KLAUS RIMPEL

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