Muskelspiele in Nuuk

von Redaktion

Präsenz in eisiger Kälte: Verteidigungsminister Boris Pistorius (r.), hier bei einem Manöver in Norwegen. © Nietfeld/dpa

München – Die Mitteilung, die das Bundesverteidigungsministerium am Mittwoch um 20.12 Uhr verschickt, ist betont zurückhaltend formuliert und doch mehr als eindeutig. Gleich im ersten Satz schafft sie Klarheit. Da heißt es, dass sich „auf Einladung Dänemarks“ Bundeswehrsoldaten an einer internationalen Erkundungsmission in Grönland beteiligen. Nicht die Nato bittet also in die Arktis, das würde die Zustimmung aller Partner voraussetzen. Auch der USA.

13 Soldaten umfasst die deutsche Delegation, rund 15 Gebirgsjäger entsendet Frankreich, hinzu kommen Kräfte aus Schweden und Norwegen. Die Zahlen sind überschaubar, aber zu diesem Zeitpunkt Nebensache. Es zählt der Subtext: dass Europa seine Kräfte bündelt, um in der Arktis Präsenz und Wehrhaftigkeit zu zeigen. Offiziell gegen Russland und China, deren verstärkte Interventionen in der Region auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erwähnt („Die Nato wird dies nicht zulassen“), aber ebenfalls in Richtung USA.

Wie der „Spiegel“ berichtet, erging die Einladung zu der Erkundungsmission überhaupt erst am Mittwoch – unmittelbar bevor eine hochrangige Delegation Dänemarks sich in Washington mit Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio erstmals direkt über die aggressiven Ansprüche Donald Trumps austauschte. Noch am selben Tag kommunizierte das Verteidigungsministerium in Berlin die Reise nach Nuuk, am nächsten Morgen in aller Früh sollte eine Transportmaschine der Bundeswehr abheben.

Doch die Botschaft aus Kopenhagen verhallte. Das Treffen in Washington brachte keine Annäherung, und auch die Mission selbst begann holprig. Kurzfristig ging es für die deutschen Soldaten doch nur bis Dänemark, erst heute fliegt die internationale Gruppe weiter nach Grönland. Die gemeinsame Anreise lobt das Ministerium dennoch als „starkes Zeichen unserer Geschlossenheit“.

Ob das Trump beeindruckt? „Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben“, sagt dessen Regierungssprecherin. Wenn überhaupt, wird der US-Präsident nur Wert auf konkrete Belege militärischer Stärke legen. Wie die in der Arktis aussehen kann, soll nicht nur diese Erkundungsreise zeigen. Die Bundeswehr hat seit 2024 an 40 Übungsmissionen nördlich des Polarkreises teilgenommen. Im vergangenen September war auch eine in Grönland dabei.

Gerade erst hat Pistorius umrissen, welchen Beitrag die Bundeswehr leisten könnte: „Es geht um Überwachung, es geht um Patrouillen, es geht um sehen, was passiert unter Wasser, über Wasser und in der Luft“, sagte er am Dienstag bei einem Besuch der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas. Im November hat die Bundesmarine die erste Maschine des neuen Seefernaufklärers vom Typ P-8A Poseidon in Dienst genommen. Mit dem Flugzeug ist die Besatzung in der Lage, große Seegebiete zu überwachen, Schiffsbewegungen zu verfolgen und U-Boote mit Radar sowie akustischen und optischen Systemen zu orten. Die Seewege rund um Grönland, die geostrategisch immer bedeutsamer werden, wären für die Bundeswehr ein logisches Terrain.

Dass diese Aktivitäten auch im Sinne Washingtons wären, betont der Sicherheitsexperte Nico Lange bei X: „Militärische Aufklärung auf Grönland – auch der Bundeswehr – soll Informationen sammeln, wie eine Absicherung Grönlands gemeinsam mit den USA praktisch organisiert werden könnte.“ Keineswegs diene eine Mission wie die derzeit laufende „der Vorbereitung der Verteidigung Grönlands gegen die USA“. Das, folgert Lange angesichts der Kräfteverhältnisse im Westen, „wäre auch absurd“.

Allerdings, so stellt die EU am Donnerstag auch klar: Im Fall eines gewaltsamen Konflikts um Grönland könnten Deutschland und die anderen EU-Staaten auf Antrag Dänemarks Beistand leisten müssen.

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