Damaskus/Berlin – Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat seinen für heute und morgen geplanten Deutschlandbesuch verschoben. Das bestätigte ein Sprecher der Bundesregierung am Sonntagabend. Grund sei die innenpolitische Situation in Syrien. Der frühere Dschihadistenführer hätte mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Außenminister Johann Wadephul (beide CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zusammentreffen sollen. Es sollte vor allem um die Rückführung syrischer Flüchtlinge gehen.
In Syrien hatten zuletzt die Gefechte zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) wieder zugenommen. Die Staatsagentur Sana berichtete am Sonntagabend allerdings, beide Seiten hätten sich auf eine Feuerpause geeinigt. Eine „sofortige und umfassende Waffenruhe“ gelte „an allen Fronten“, hieß es. Von den SDF gab es zunächst keine Bestätigung und auch keine Reaktion. Unter dem Text der Vereinbarung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, waren aber auch der Name und die Unterschrift von SDF-Kommandeur Maslum Abdi zu lesen. Auch kurdische Medien berichteten von der Einigung.
Zuvor war der Konflikt zwischen Damaskus und den SDF zunehmend eskaliert. Regierungstruppen brachten in den vergangenen Tagen strategisch wichtige Gebiete im Norden und Osten unter ihre Kontrolle, darunter zwei wichtige Ölfelder und einen Staudamm, wie Staatsmedien und Aktivisten berichteten. Beim Rückzug der SDF aus mehreren Gebieten kam es auch zu Gefechten. Die syrische Armee gab an, sie habe in der nördlichen Stadt Tabka sowie am wichtigen Euphrat-Staudamm die Kontrolle übernommen, dem größten Staudamm des Landes, der zentral ist für die Wasser- und Stromversorgung.DPA/AFP/MM