Zynisch gesagt: Auf dem roten Teppich vor dem Kanzleramt sieht man wenigstens nicht so deutlich, welche Blutflecken der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hinterlässt. Der Ex-Terrorist, einst Anführer einer islamistischen Terrororganisation, ist ein hässlicher Gast. Viele, die gegen den Empfang demonstrieren wollten, mag man gut verstehen. Trotzdem muss das Gespräch nachgeholt werden. Je wirrer, je wilder die Weltlage wird, desto seltener hat ein deutscher Kanzler lupenreine Demokraten zu Gast.
Dialog mit al-Scharaa ist wichtig, weil einzig mit ihm die Hoffnung auf Stabilität im einstigen Bürgerkriegsland verbunden ist. Er gibt sich gemäßigt. Die Alternative zu ihm derzeit heißt: Aufflammen der Gewalt, Rückfall in Instabilität. Mit al-Scharaa gibt es nun auch die Chance, die Rückkehr syrischer Flüchtlinge zu verhandeln. Prioritär jene, die straffällig wurden – und auf deren Rücknahme Damaskus wenig Lust hat; perspektivisch auch jene, die sich in Deutschland seit Jahren der Integration und Arbeitssuche verweigern. Mehr als eine Fußnote in dieser Debatte: Gut Integrierte sollen bleiben, das ist kein Gnadenakt, sondern ein Gebot der Klugheit in unserem alternden, von Fachkräftemangel geplagten Land.
Ohne al-Scharaa und sein Regime wird keine einzige Rückführung klappen. Realpolitik ist manchmal hässlich, aber immer noch besser als keine Politik.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET