Der Export deutscher Autos bricht ein. © Schmidt/dpa
München – Wieder setzt Donald Trump Zölle als Druckmittel ein. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar einigten sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch Brüssel musste große Zugeständnisse machen – etwa den zollfreien Import von US-Autos nach Europa.
Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sich Trumps Zölle bereits heute auswirken: „Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. „Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.“
Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab.
Die Zölle unter Trump dämpften das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie der Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert.
Gerade die Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. In der Folge brach der Auto-Export in die USA ein. „Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel.
Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 schrumpften die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander geschrumpft. Folge: Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben. A. STURM/K. MISCHKE