Cannabis: Wenn schon Kinder kiffen

von Redaktion

Ein Jugendlicher raucht einen Joint. © Welters/epd

München – Eine Ausbildung als Kinderpfleger könnte sich Tom (Name geändert) vorstellen. Allerdings würde er die Lehrzeit im Moment nicht durchstehen können. „Wegen meiner Angststörung“, sagt der 17-Jährige aus Nordbayern. Mit zwölf begann Tom zu kiffen, mit 13 nahm er Ecstasy. Danach probierte er so gut wie alles aus, was es auf dem Drogenmarkt gibt: „Momentan rauche ich Gras und nehme Benzodiazepine.“ Benzodiazepine, im Szenejargon „Benzos“, sind Beruhigungsmittel, die auch unter dem Handelsnamen Valium bekannt sind. Sie machen schnell körperlich abhängig.

Toms Mutter Nadine S. erzählt, sie habe „Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt“, um eine Klinik für ihn zu finden: „Ich suchte von Mai bis September 2025.“ Eventuell wird Tom nun im Februar in eine Entwöhnungsklinik aufgenommen. Seine Mutter hofft, dass ihrem Sohn, der sich in seinem Wesen stark verändert hat, endlich geholfen wird: „Ich möchte meinen alten Tom zurück.“

Unter dem Einfluss gleichaltriger Freunde kam Tom in einem 900-Seelen-Dorf mit Drogen in Kontakt. So klein das Dorf ist, wurde hier doch massiv konsumiert. Von den 16 Kindern in Toms Mittelschulklasse kifften Nadine S. zufolge 12.

Der Lüneburger Jugendpsychotherapeut Ruthard Stachowske fordert eine Änderung im Umgang mit Suchtmitteln. „Solange wir über das Oktoberfest jubeln, können wir Kindern nicht glaubwürdig sagen, dass psychotropische Substanzen Risiken bergen“, unterstreicht der Professor.

Er bestätigt, dass es schon Neunjährige gibt, die Drogen konsumieren. Besonders große Sorgen macht ihm, wenn Kinder von alkohol- oder drogenabhängigen Müttern abhängig und geschädigt auf die Welt kommen. Die Versorgungssituation für von Sucht betroffene Kinder und Familien sei insgesamt „eklatant unverantwortlich rudimentär“.

In Bayern, wo Tom lebt, müssen ambulante Drogenberater Abhängige in jungem Lebensalter zumindest offiziell abweisen, weil die Finanzierung über die Bezirke läuft. Die sind ausschließlich für psychisch kranke Erwachsene zuständig. Kommunen könnten Jugendsuchtberatungsstellen aufbauen, doch dafür fehlt das Geld.

Marco Stürmer vom Münchner Suchthilfeverein Prop macht dies angesichts gravierender Suchtfälle unter Jugendlichen Sorgen. Anfang 2025 starb in der Nähe von Toms Wohnort ein 17-Jähriger durch synthetische Drogen. Vergangenes Jahr sprang Tom dem Tod gerade noch so von der Schippe. Nadine S. fuhr mit ihm in die Kinderklinik, wo man ihn gerettet hat. Es mache sie fertig, dass sie immer noch so viele Wochen überbrücken muss, bis Tom eventuell in eine Klinik kann. „Ich muss mein Kind zugrunde gehen sehen“, klagt sie. PAT CHRIST

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