Die Freisprüche für die beiden Angeklagten im Prozess über das Bahnunglück sind überraschend. Doch dass sie die Hauptschuldigen waren, hatte eh niemand geglaubt. Die Verantwortung reicht weiter ins Bahn-Management, das bei der Instandhaltung der Bahnstrecke sparte. Der Prozess mit einem Gericht, das bemerkenswert gut im Stoff war und sich bis in die Details in das System Bahn einarbeitete, war sehr lehrreich. Er führte vor Augen, wie haarsträubend gespart wurde. Da wurden rissige Bahnschwellen nicht einfach ausgetauscht, sondern nach Fehlerstufen kategorisiert und so die Instandsetzung über Jahre verschleppt. Statt Austauschfristen penibel zu beachten, wurden sie (legal!) immer weiter verschoben – bis es zur Katastrophe kam.
Der „Kosmos Bahn“ (so die Staatsanwältin) ist ein schwer durchschaubares Gebilde an Neben- und Sonderzuständigkeiten mit Fachleuten für Ober- oder Unterbau, Fahrbahntechnikern und Sonderinspektoren sowie Anlagenverantwortlichen ohne Budget, die sich dann in Steuerungskonferenzen mit jenen Leuten herumschlagen, die kein Geld für Reparaturen herausrücken wollen – oder mangels Etat können. Die Bahn hat sich in einem eigenen Gutachten um eine Fehleranalyse bemüht. Das ist gut so. Nun müssen Reformen folgen. Dieser Dschungel von Halb- und Unzuständigkeiten gehört ausgelichtet.DIRK.WALTER@OVB.NET