München – Ihm ist nichts heilig. Am Dienstagmorgen postet Donald Trump in seinem Netzwerk Truth Social zwei SMS-Nachrichten. Sie stammen von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Nato-Generalsekretär Mark Rutte und: Sie sind vertraulich. „Ich kann es nicht erwarten, Dich zu sehen“, schreibt Letzterer. „Ich verstehe nicht, was Du bei Grönland anstellst“, erklärt der andere.
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump private SMS veröffentlicht. Aber mitten im heiklen Grönland-Streit ist das eine bewusste Bloßstellung. So dürften es jedenfalls die zwei Europäer empfinden, die sich heute mit Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos treffen wollen. Der US-Präsident hat ein Treffen zur Arktisinsel, rund um seine Rede, selbst angekündigt. Auch am Donnerstag will er im Mittelpunkt stehen. Dann will Trump etwas zum „Friedensrat“ für Gaza sagen.
Mit der Veröffentlichung der beiden SMS schickt der US-Präsident einen kalten Gruß nach Davos. Unangenehm für Rutte, der Trump schamlos bauchpinselt („Was Du heute in Syrien erreicht hast, ist unglaublich“). Ein Affront auch für Macron, der immerhin differenzierter schreibt – und einen brisanten Vorschlag macht: Er könne ein G7-Treffen in Paris organisieren, schon am Donnerstag, schreibt der Franzose. Teilnehmen könnten auch Vertreter aus Russland, der Ukraine, Dänemark und Syrien.
Der Kreml ließ gleich wissen, man habe keine Einladung irgendwo hin erhalten, aus Washington und Berlin gab es ebenfalls skeptische Signale. Macron stellte gestern Nachmittag dann klar, dass am Donnerstag nichts dergleichen geplant sei. Vielleicht war das Angebot in seiner SMS nur der Versuch, Trump zu beeindrucken.
Es wäre auch allzu eng geworden am Donnerstag. Am Abend ist der EU-Sondergipfel geplant, bei dem die Europäer über eine Reaktion auf Trumps Zolldrohungen beraten wollen. Im Raum stehen Gegenzölle im Wert von 93 Milliarden Euro. Den US-Republikaner beeindruckt das bisher wenig. Als wären die SMS nicht genug, ließ er gestern mehrere KI-Bilder posten: Eines zeigt ihn, wie er eine US-Flagge in Grönlands Boden stößt, Außenminister Marco Rubio und Vize JD Vance im Rücken. In den USA ist man weniger begeistert. Trumps Zustimmungswert liegt bei nur 42,2 Prozent, ein Tiefpunkt nach einem Jahr Amtszeit.
Sicher ist: Statt Weltwirtschaft wird in Davos diesmal Geopolitik verhandelt. Macron legte gestern vor. In seiner Rede in Davos warf er den USA „neuen Kolonialismus“ und eine versuchte Schwächung Europas vor. Erneut warb er dafür, das „Anti-Coercion Instrument“ der EU, die sogenante Handels-Bazooka, gegen die USA anzuwenden. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigte eine „unerschrockene“ Reaktion auf mögliche US-Zölle an und warnte Trump vor einer „Abwärtsspirale“. Selbst Chinas Vize-Regierungschef He Lifeng warnte in Davos vor einer Rückkehr zum „Gesetz des Stärkeren“.
Es ist jenes Gesetz, an das Trump glaubt und dem er offenbar jede Verbindung opfert. Während Macron seinem „Freund“ in seiner SMS ein gemeinsames Dinner vorschlug, droht Trump ihm wegen der Absage für den Gaza-„Friedensrat“ mit 200 Prozent Zöllen auf Wein und Champagner. MMÄ/DPA