Lädt Konservative für die Klausur zum Gespräch: Katharina Schulze. © ms
München – Es gibt Sätze, die wirken lange nach. Bei den Grünen haben sie einen von Markus Söder nicht vergessen. Der CSU-Chef hatte in den vergangenen Jahren generell wenig Nettes über die Ökopartei zu sagen, obwohl er sie einst fast kopiert hatte. Doch am Gillamoos 2023 sprach der Ministerpräsident ihr ab, zum Freistaat zu gehören. „Die Grünen passen mit ihrem Weltbild nicht zu Bayern.“ Fraktionschefin Katharina Schulze ärgert sich bis heute: „Das war einfach Quatsch. Wir prägen dieses Land mehr mit, als es sich Markus Söder in seinen kühnsten Träumen eingestehen würde.“
Es ist nicht zu übersehen, wie sehr sich die Partei darum bemüht, den Ministerpräsidenten zu widerlegen. Zur Fraktionsklausur im Herbst lud man Söders Vorgänger Erwin Huber ein. Als sie neulich im Landtag über die direkte Demokratie diskutierten, kam Günther Beckstein, noch ein Söder-Vorgänger. Und wenn morgen die Januar-Klausur beginnt, sind noch einmal zwei bemerkenswerte Gäste angekündigt: der ehemalige Ski-Rennläufer Christian Neureuther und Kardinal Reinhard Marx. Um 9.45 Uhr trifft man sich mit Schulze zum Frühschoppen – wobei die Politikerin bekanntlich nur Spezi trinkt.
Ein Kardinal bei den Grünen? Das wäre früher undenkbar gewesen. Wie kommt‘s? „Jeder merkt, dass es in der Gesellschaft hitziger geworden ist und die Gräben tiefer werden“, sagt Schulze im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir wollen mit unseren Gästen darüber sprechen, was unsere Gesellschaft zusammenhält.“ Die Vereinzelung werde insgesamt zum Problem, alle hängen nur noch am Handy in ihren Blasen. „Wir müssen mehr reden – nicht übereinander, sondern miteinander“, sagt Schulze.
Seit 2023 ist die 40-Jährige alleinige Vorsitzende der Fraktion. Wegen ihres bunten Auftretens übersehen viele, dass die Münchnerin keineswegs dem linken Flügel der Partei angehört. Bewusst hat sie schon als Innenpolitikerin gegen diesen Ruf gearbeitet. Ihr Mann, der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz, gehört zu den wenigen Wirtschaftsliberalen in der Partei. Er ist dort, wo sie in Bayern hinwollen: in der Regierung.
Natürlich geht es mit der Auswahl der Gäste deshalb darum, Zeichen in die Mitte zu setzen. Nein, Söder wird mit Schulze keine Freundschaft mehr schließen. Aber jenseits der Parteispitze sind die Drähte gut. „In der CSU gibt es ganz viele tolle, engagierte Menschen, die sich – wie wir – um unsere Demokratie sorgen“, sagt die Fraktionsvorsitzende. Auch inhaltlich nimmt man sich für die Klausur Themen vor, die alle in der Gesellschaft umtreiben: gute Ernährung, mangelnden Wohnraum.
Und beim Thema Wohnen sind die Vorschläge weit weg von Wärmepumpen-Debatten. Das erste selbstgenutzte Wohneigentum soll von der Grunderwerbsteuer befreit werden. Zudem möchte man Vermieter entlasten, die unterhalb des Mietspiegels vermieten. Schulze: „Das, was alle Menschen zum Leben brauchen, müssen wir ausreichend und günstig zur Verfügung stellen.“ MIK