KOMMENTARE

Ein Golfclub als UN-Ersatz

von Redaktion

Trumps Friedensrat

Der Völkerbund löste sich auf, weil die aus den Trümmern des Ersten Weltkriegs entstandene Organisation an ihrer Aufgabe, den Weltfrieden zu sichern, gescheitert war. Gegen politische Führer wie Hitler und Stalin, die sich einen Dreck um Völkerrecht und Menschenrechte scherten, hätte aber keine noch so perfekte Friedensorganisation etwas tun können.

Die 1945 gegründeten Vereinten Nationen sollten es besser machen als der Völkerbund. Und bei aller berechtigten Kritik an den UN: Es hat in den letzten Jahrzehnten sehr wohl einen Unterschied gemacht, ob ein internationales Eingreifen in einen Krieg mit oder ohne UN-Mandat erfolgte – wie der auf Lügen aufgebaute Golfkrieg George W. Bushs. Wenn UN-Blauhelmeinsätze versagten, etwa in Srebrenica oder in Ruanda, war das die Schuld der UN-Mitgliedstaaten, die den UN-Soldaten kein hartes Mandat gewährten – die Idee der UN-Friedenssicherung an sich bleibt richtig.

Wenn jetzt Donald Trump ganz offen die UN durch einen Friedensrat ersetzen will, der in der Art eines Trump-Golfclubs vom US-Präsidenten geführt werden soll, agiert er in der Tradition der Zerstörer des Völkerbundes. Wieder wird das Völkerrecht als sinnloses Gerede von Schwächlingen verunglimpft, wieder wird das Recht des Stärksten propagiert, heute selbstverständlich das Great-Again-Amerika. Die Souveränität und die Rechte kleinerer Staaten, die Anerkennung von Grenzen, die Vertraulichkeit von SMS-Botschaften anderer Staatschefs – all das zählt nicht mehr. Gebremst wird diese neue Weltordnung allein durch „meine Moral und meinen Verstand“, so O-Ton-Trump. Dass der allmächtige Moralist nun erklärtermaßen genug vom Frieden hat, weil ihm der Nobelpreis verweigert wurde, rückt seinen „Friedensrat“ in ganz besonderes Licht. Da ist fast schon Nebensache, dass die Aufnahme im illustren Weltherrscher-Golfclub eine Milliarde US-Dollar kostet, von denen unklar ist, ob sie der persönlichen Bereicherung Trumps dienen. Die UN sind es wert, verteidigt zu werden – sie sind heute wichtiger denn je.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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