München – Bayerns Kinder sollen gründlicher lernen, mit Geld umzugehen. Die Junge Gruppe der CSU, ein Kreis von zwei Dutzend jüngeren Landtagsabgeordneten, fordert von der Staatsregierung „deutlich mehr“ Finanzbildung an den Schulen. Es brauche ein Konzept, das an allen Schularten greife, heißt es in dem Antrag, der unserer Zeitung vorliegt und bald im Landtag beraten und beschlossen werden soll.
Im Unterricht müsse früh – schon ab der Grundschule – über Geld geredet werden. „Themen wie Haushaltsplanung, Schuldenprävention, Sparstrategien, Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Chancen sowie Risiken digitaler Finanzangebote“, formulieren die Abgeordneten. Federführend sind Kristan von Waldenfels und Maximilian Böltl. Sie warnen, es gebe einen Anstieg an Konsumschulden schon in der Altersgruppe 14 bis 29. „Rund ein Fünftel lebt laut einer repräsentativen Befragung mit Schulden – das ist ein besorgniserregender Höchststand und ein deutlicher Negativtrend“, warnt Böltl. Leicht zugängliche Ratenzahlungen und Kleinkredite („Jetzt kaufen, später zahlen“) seien mitverantwortlich.
Böltl denkt zudem an neue Wege zur Vorsorge im Rentensystem. Die junge Generation müsse zu einem bewussteren und kompetenteren Umgang mit privater und betrieblicher Vorsorge ermutigt werden – auch zum Rücklagen-Bilden.
Die CSU-Forderung richtet sich ans Kultusministerium von Anna Stolz (Freie Wähler). Erster Schritt soll ein Pilotprojekt zur Finanzbildung sein, Unterrichtseinheiten für alle Schularten in jedem Regierungsbezirk. Später dann: auf die Fläche ausrollen. Böltl und Waldenfels erinnern an die bereits starke Belastung der Lehrer. Sie sollen entlastet werden, wenn die Kooperationsmöglichkeiten der Schulen mit externen Partnern liberalisiert werden: Banken, Sparkassen, Verbraucherzentralen, karitative Verbände, Bildungsträger und auch spezialisierte Startups. Sie sollen „praxisnah, werbefrei, fachkundig“ Info-Angebote in den Unterricht einbringen und mit digitalen Formaten ergänzen.
Dazu passt ein seit Monaten laufender Vorstoß des Verbraucherportals Finanztip für mehr Finanzbildung an den Schulen und für eine Teilnahme an der Finanz-Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Eine Pro-Pisa-Petition wurde bisher von 110 000 Menschen unterstützt.
Stiftungs-Chef Fabian Dany sagt über den CSU-Vorstoß, man begrüße es „grundsätzlich, wenn finanzielle Bildung an allen Schulen gestärkt wird“. Das sei ein zentraler Baustein für mehr Chancengerechtigkeit und finanzielle Selbstbestimmung. „Beides hängt heute noch viel zu sehr vom Elternhaus ab.“ Dany rät, finanzielle Bildung auch fest in der Aus- und Weiterbildung der Lehrer zu verankern. Dany dringt darauf, sich genau anzuschauen, welche Partner in die Klasse geholt werden. „Als gemeinnützige Finanztip Stiftung sehen wir Unabhängigkeit und Werbefreiheit als zwingende Voraussetzung guter Finanzbildung an.“ Finanzwissen müsse „neutral und frei von wirtschaftlichen Interessen“ vermittelt werden. „Deshalb sehen wir es kritisch, wenn gewinnorientierte Unternehmen in die Vermittlung von finanzieller Bildung im Klassenzimmer eingebunden werden sollen.“C. DEUTSCHLÄNDER