Andere Weltregionen kämpfen entschlossen, selbstbewusst, oft rücksichtslos für ihre Interessen. Europa trottelt sich so durch und stolpert über die eigenen Abläufe. Das ist das traurige Bild nach der verkorksten Mercosur-Abstimmung im EU-Parlament. Irgendwie fand sich aus Links-, Rechtsradikalen und Grünen eine Mehrheit gegen die Mitte, weil gleichzeitig Abgeordnete aus (vor allem) Frankreich und Polen vor ihren Länder-Lobbys eingeknickt sind. Nun verklagt sich Europa also ein bisschen selbst. Ach, das dauert ein paar Jährchen.
Am Mercosur-Abkommen mit Südamerika gab es berechtigte Kritik, aber die Gesamtabwägung ist glasklar: Freihandel mit anderen Regionen ist die beste Chance, Verluste durch US-Zollwahnsinn und Chinas Marktdominanz zu mildern. Es eilt, bei uns gehen jeden Monat tausende Arbeitsplätze in exportorientierten Branchen verloren. Vielleicht werden Rat und Kommission das Abkommen provisorisch in Gang setzen; doch den Unternehmen fehlt Planungssicherheit. Und für Proeuropäer ist es fatal, dass ausgerechnet das Parlament, die einzige echt demokratisch legitimierte Institution der EU, dieses Systemversagen einleitet.