Noch ist Grönland nicht verloren. Trump verachtet Europas Staatschefs, doch er fürchtet wie der Teufel das Weihwasser den Gegner, der am Dienstag die Bühne betrat – und eine noch bessere Show ablieferte als „The Don“ selbst: der Weltfinanzmarkt. Ob US-Dollar, US-Aktien oder US-Staatsanleihen: Alles wurde in Grund und Boden verkauft. Die gewaltige „Sell America“-Welle, die da von Asien über Europa bis an die Wall Street schwappte, trieb die Zinsen für 30-jährige US-Bonds bis auf ein Panik-Hoch von fast fünf Prozent. Zuletzt mussten die USA nach Trumps legendärem Zollkrieg-Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses so hohe Schuldzinsen bezahlen. Ein Absturz der US-Börsen von 15 Prozent kam damals hinzu. Ab da begann Trump zurückzurudern. Ein Aktiencrash, eine Staatsschuldenkrise und ein Absturz der Wirtschaft sind nicht das, wofür seine Anhänger ihn gewählt haben.
Kommt es wieder so? Trump hat mit seiner brutalen Attacke auf die europäischen Nato-Partner der ganzen Welt gezeigt, wie erratisch und selbstzerstörerisch die US-Politik geworden ist. Deshalb die panikartigen Verkäufe, mit denen die globalen Investoren Trumps Davoser Märchenstunde vom US-Wirtschaftswunder Lügen straften. Europa hingegen hat – mit Ausnahme des peinlichen EU-Parlaments und seiner Mercosur-Skandalabstimmung – eine Bewährungsprobe fürs Erste bestanden: Es hat sich nicht spalten lassen, sondern mit Gegenzöllen gedroht und den Märkten signalisiert, dass es einer Kraftprobe nicht aus dem Weg geht. Und europäische Investoren, voran ein dänischer Pensionsfonds, haben klargemacht, dass sie nicht zum Dank für Trumps Schläge dessen Wählern auch noch ein gutes Leben auf Pump finanzieren wollen.
In der Vergangenheit war Trump bei aller Aufgeblasenheit geschmeidig genug, auch mal einen Rückzieher zu machen, wenn seine Methode, den Gegner mit Drohungen zu überwältigen, nicht klappte. In Davos hat er gestern schon mal abgerüstet: Er bitte um „ein Stück Eis“. Kriege er das nicht, werde er das „nie vergessen“. Das klang mehr nach beleidigtem Kind als nach entschlossenem Eroberer. Jetzt muss Europa prüfen, welchen Deal es Trump anbieten kann. Und wie es sich für die Zukunft stärkt.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET