Neue Gespräche, neue Hoffnung

von Redaktion

Händeschütteln mit Putin: Der russische Pärsident empfing US-Unterhändler Steve Witkoff gestern Abend im Kreml. Die staatliche Agentur Sputnik veröffentlichte das Foto. © AFP

Davos/Moskau – Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestern in Davos sagte, ist in Abu Dhabi ein trilaterales Treffen geplant, das schon am heutigen Freitag beginnen soll. Es wäre das erste Mal seit Wochen, dass Unterhändler der Kriegsparteien Russland und Ukraine wieder direkt miteinander sprechen. Zuletzt sprachen russische und ukrainische Geheimdienstvertreter Ende November ebenfalls in den Emiraten miteinander. Davor trafen im Sommer russische und ukrainische Delegationen im türkischen Istanbul aufeinander. Damals konnten sich die Konfliktparteien aber nur über einen Gefangenenaustausch einigen.

Die ukrainische Delegation wird Selenskyj zufolge wieder aus Chefunterhändler Rustem Umjerow, Präsidialkanzleichef Kyrylo Budanow, Generalstabschef Jurij Hnatow und aus dem Chef der Präsidentenpartei im Parlament, David Arachamija, sowie Vize-Außenminister Serhij Kyslyzja bestehen.

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff traf gestern Abend im Kreml ein und wurde von Russlands Präsident Wladimir Putin empfangen. Die Gespräche begannen umgehend, wie der Kreml auf seinem Telegramkanal mitteilte. Zuletzt hatte der Kremlchef den Vertrauten von US-Präsident Donald Trump Anfang Dezember empfangen. Die Gespräche damals hatten fünf Stunden gedauert – aber keinen Durchbruch gebracht. Über Ergebnisse des Gesprächs gestern wurde bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nichts bekannt. Die geplanten Gespräche in Abu Dhabi bestätigte Russland gestern nicht.

Witkoff wird erneut von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner begleitet. Für Witkoff ist es der siebte Russland-Besuch als Sondergesandter. Der 68-Jährige soll eine Lösung für die Beendigung des nunmehr fast vier Jahre währenden russischen Kriegs in der Ukraine vermitteln. Kritiker haben ihm in der Vergangenheit aber mehrfach vorgeworfen, zu stark russische Positionen übernommen zu haben.

Selenskyj hatte sich gestern am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Schweiz eine Stunde mit Donald Trump ausgetauscht. Es sei ein gutes Treffen gewesen, sagte der US-Präsident, einen Druchbruch habe es aber nicht gegeben. Man habe „noch einen weiten Weg vor sich“. Man müsse sehen, wie das Gespräch von Witkoff mit Putin verlaufe. Die Botschaft an Putin sei: „Der Krieg muss aufhören.“

Selenskyj sagte, er habe sich mit Trump über US-Sicherheitsgarantien geeinigt. „Ohne die USA funktionieren keine Sicherheitsgarantien.“ Das Dokument sei aber noch nicht unterschrieben. Was die Gespräche in Abu Dhabi Neues bringen und ob Moskau wirklich zu Kompromissen bereit sei, müsse man abwarten.

Kurz nach dem Treffen mit Trump griff Selenskyj die europäischen Verbündeten der Ukraine und die Nato scharf an. „Europa diskutiert gern über die Zukunft, scheut sich aber davor, heute zu handeln – Handlungen, die darüber entscheiden, welche Art von Zukunft wir haben.“ Das Verteidigungsbündnis Nato existiere lediglich dank des Glaubens, dass die USA im Falle eines Angriffs helfen würden. „Doch niemand hat das Bündnis bisher in Aktion erlebt.“

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