In einer Kolumne der „New York Times“ wurde der Schrecken über die Bilder aus Minneapolis am Wochenende in dramatische Worte gefasst: „Das ist unsere neue nationale Realität. Staatlicher Terror ist angekommen.“ Na gut, Autor/in war eine in Russland geborene Transperson. Aber man muss nicht dem radikal linken Lager der USA angehören, um sich die Frage zu stellen, wohin die Vereinigten Staaten nach den aufwühlenden Bildern des Wochenendes steuern.
Trump verstört nicht nur die Welt, die Agenda seiner Regierung radikalisiert auch die innenpolitische Debatte. Und ausgerechnet im Mittleren Westen eskaliert nun die Lage. Seit Wochen wehrt sich Minneapolis gegen die oft maskierten ICE-Männer. Der Spalt zwischen Links und Rechts hat sich über Jahre vertieft, längst gibt es – auch medial – zwei verschiedene Welten, in denen sich viele Menschen bewegen. So ist auch die Wahrnehmung der tödlichen Schüsse vom Wochenende diametral unterschiedlich. Die einen sprechen von Notwehr (der Tote hatte offenbar eine Waffe bei sich), die anderen geißeln die Brutalität der ICE-Beamten (die offenbar noch auf Alex Pretti schossen, als der 37-jährige Krankenpfleger längst regungslos am Boden lag). So polarisiert ist die Debatte fast immer.
Was machen diese wiederholten Vorfälle mit einem Land, dessen Pole sich ständig radikalisieren? Und in dem Schusswaffen zum Alltag gehören! Längst scheint es in Minneapolis nicht mehr um die Durchsetzung einer harten Einwanderungspolitik zu gehen. Es gibt unzählige Videos, die dokumentierten, wie skrupellos die paramilitärisch anmutenden ICE-Truppen vorgehen. Angst geht um! Solche Szenen kennt man sonst nur aus Diktaturen, nicht aber aus rechtsstaatlichen Demokratien. Es wäre ein leichtes für Donald Trump, die Eskalation zu stoppen. Doch er hat kein Interesse daran.
Erlaubt sei an dieser Stelle auch ein kleiner Blick nach Bayern: Hier hat die AfD gerade eine „Asylfahndungs- und Abschiebegruppe“ nach dem Vorbild der ICE-Truppen gefordert. Mehr muss man über diese Partei nicht wissen.