München/Stuttgart – Sechs Jahre dauert die Reformdebatte in der katholischen Kirche in Deutschland bereits. Vom 29. bis 31. Januar nun ist die letzte Synodalversammlung in Stuttgart: Bischöfe und Laien ziehen Bilanz. Mit dabei ist Konstantin Bischoff, Pastoralreferent in der Pfarrei Herz Jesu in München und gewähltes Mitglied der Synodalversammlung für die Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten.
Mit gemischten Gefühlen blickt der Nicht-Kleriker auf die vergangenen sechs Jahre zurück. „Bei den Segensfeiern für Menschen, die nicht heiraten können oder wollen – da denkt man als allererstes an Homosexuelle –, ist etwas passiert. Und das ist auch gut so in Deutschland.“ Doch die Bilanz werde auch ergeben, dass an vielen Stellen nichts passiert sei, etwa bei der Geschlechtergerechtigkeit und insgesamt bei der Gerechtigkeit in der Kirche.
Ins Leben gerufen worden war der „Synodale Weg“ vom Münchner Kardinal Reinhard Marx zusammen mit dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und das verlorene Vertrauen in die Kirche. „Grund war der Versuch, eine weniger missbrauchsanfällige Kirche zu schaffen. Vor diesem Hintergrund muss man alle Debatten sehen“, betont der Theologe. Und die Diskussionen waren äußerst kontrovers. Eine Minderheit von konservativen Bischöfen um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und den Passauer Bischof Stefan Oster lehnt die angestrebten Reformen grundsätzlich ab. Vor allem, wenn es um den Wunsch nach einem Zugang der Frauen zum Weiheamt, die Öffnung des Pflichtzölibats und eine Neubewertung der Homosexualität geht. Aber auch eine unabhängige Verwaltungsgerichtsbarkeit als Kontrollinstanz gibt es bislang nicht. „Die Fortschritte sind deutlich zu klein“, räumt Bischoff ein.
Trotzdem ist der Münchner vielen engagierten Kirchenmitgliedern und Bischöfen sehr dankbar, die sich weiter einsetzen werden. „Man muss den Weg weitergehen, um ein Auseinanderklaffen bei der Lebensrealität von Menschen gerade im Bereich der Sexualmoral und der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht immer größer werden zu lassen.“ In zahlreichen Bistümern sei auch schon einiges vorangebracht worden. „Für viele Bischöfe ist es heute selbstverständlich, keine einsamen Entscheidungen mehr zu treffen, sondern fachlich qualifizierte und größtenteils demokratisch gewählte Laien mit einzubeziehen.“ Zuversichtlich ist Bischoff auch, dass die Einsetzung einer Synodalkonferenz, in der neben den 27 Ortsbischöfen und 27 Vertretern des ZdK noch 27 weitere Katholiken künftig gemeinsame Beschlüsse fassen sollen, gelingt.
Auch in Richtung Vatikan ist Bischoff hoffnungsvoll. „Hier ist eine völlig neue Kommunikationskultur eingetreten im Laufe des vergangenen Jahres“, sagt er mit Verweis auf Papst Leo XIV. Er glaube, jetzt gehe es um Inhalte und nicht zuerst um Emotionen. Die Gefahr einer Abspaltung der deutschen Kirche von Rom hält der Pastoralreferent indes „für Schwachsinn“. Das sei Angst machende Propaganda. Man müsse gemeinsam auf dem Weg bleiben.CLAUDIA MÖLLERS