Ohne Maske: Gregory Bovino im SS-Mantel. © Decker/dpa
München – Er ist Donald Trumps Mann fürs Grobe – und wie der Star-Wars-Bösewicht Darth Vader steht Gregory Bovino dazu, die „dunkle Seite der Macht“ zu verkörpern: Der Chef der US-Grenzschützer postete am „Star Wars Day“, dem 4. Mai, ein Video, in dem er sich als Darth Vader präsentiert, der rebellische Soldaten tötet, die Drogen und Menschenschmuggel symbolisieren sollen – im Film sind die Rebellen ja eigentlich die Guten, aber das scheint Bovino nicht zu stören.
Und auch jetzt stellt sich Gregory Bovino aller Proteste und Videobeweise zum Trotz auf die Seite der Grenzpolizisten, die den Krankenpfleger Alex Pretti erschossen haben. „Die Opfer sind die Grenzschutzbeamten“, sagte Bovino dem Sender CNN. „Der Verdächtige hat sich selbst in diese Situation gebracht.“
Der 56-jährige Bovino, dessen Großeltern aus Italien in die USA einwanderten, ist seit 30 Jahren bei der Border Patrol, leitete dort einen Sektor der US-Grenzschützer an der Südgrenze Kaliforniens zu Mexiko. Mit der erneuten Machtübernahme von Trump witterte Bovino seine Chance, seinen Hass auf Einwanderer aus Lateinamerika jetzt offen auszuleben. Schon zwei Wochen vor Trumps Amtsantritt zog er laut „Spiegel“ mit seiner Truppe los, um an Tankstellen und Highways Migranten festzunehmen. Von den 78 Latinos, die er brutal in Selbstjustiz abschob, war nur ein einziger vorbestraft, obwohl Bovino behauptete, nur Jagd auf „Kriminelle“ zu machen. Ein Bundesgericht stellte laut „Spiegel“ später fest, dass Bovino gegen den vierten Verfassungszusatz verstoßen hatte, der vor unbegründeten Durchsuchungen schützt.
Aber das stoppte Bovinos Aufstieg unter Trump nicht: Da das US-Heimatschutzministerium intern unzufrieden war mit der Bilanz der Einwanderungsbehörde ICE, ließ die Regierung in mehreren großen Städten die ICE-Chefs durch Hardliner aus der Grenzschutzbehörde Border Patrol ersetzen. So wurde Bovino zum Gesicht von ICE, obwohl er der Behörde eigentlich gar nicht angehört.
Ein Star in Maga-Kreisen wurde Bovino vor allem deshalb, weil er sich in Interviews immer wieder mit politischen Forderungen äußert, etwa der, den Grenzschutz auch im Landesinneren einzusetzen. Bovino inszeniert sich martialisch, mit Sturmgewehr und mit einem offensichtlich am Erscheinungsbild der Nazi-SS angelehnten langen Mantel – die Fantasieuniform, die es so offiziell in den USA gar nicht gibt, trug er ausgerechnet bei dem Auftritt, nachdem seine Leute in Minneapolis Renée Good erschossen hatten.
Bovinos Kindheit in North Carolina war von Gewalt und Härte geprägt. Sein Vater tötete betrunken bei einem Autounfall eine junge Frau. Mit acht Jahren bekam Bovino sein erstes Gewehr geschenkt. Seine Jagdleidenschaft aus der Kindheit hat er bei ICE weiterentwickelt.
Wegen seines offenen Rassismus und seiner Gewaltbereitschaft wurde Bovino zu einer Symbolfigur auch für die ICE-Gegner – weshalb in der angesichts der Anti-ICE-Empörungswelle nervös werdenden Trump-Regierung Überlegungen kursieren sollen, Bovino und seine Truppe aus Minneapolis abzuziehen, um die Lage zu deeskalieren.KLAUS RIMPEL