Staat will Handysünder stoppen

von Redaktion

Goslar – Kurz eine E-Mail lesen, eine Nachricht beantworten oder den Songtitel wechseln: Derartige Ablenkungen können das Unfallrisiko erheblich erhöhen. Wer während der Fahrt Nachrichten tippe, erhöhe das Unfallrisiko um das Sechsfache, sagt Kirstin Zeidler, Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer. 2023 habe aber trotzdem knapp jeder Vierte zumindest ab und an während der Fahrt Nachrichten oder E-Mails verschickt, wie aus einer Umfrage der Versicherer-Unfallforschung hervorgehe. Was kann man dagegen tun?

Höhere Strafen als Abschreckung schlägt Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung vor. Denn: Festgestellt würden diese Vergehen nur äußerst selten, weil sie schwer zu erkennen seien. Denkbar sei etwa ein deutlich höheres Bußgeld. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Unfallforscherin Zeidler. Sie spricht sich für zwei Punkte statt eines Punktes für das Fahreignungsregister aus.

Neuartige Blitzer: Auch neuartige Blitzer könnten helfen. Sogenannte Monocams erkennen, wenn Autofahrer ihr Handy in der Hand halten. Zeidler spricht sich für einen bundesweiten Einsatz des Systems aus, auch wenn es nicht alle Vergehen erkennt. Der ADAC befürwortet die Technik laut einer Mitteilung ebenfalls: „Nur wenn das Entdeckungsrisiko hoch genug ist, entfalten Sanktionen eine abschreckende Wirkung“. Der Deutsche Anwaltverein mahnt dabei an, dass es eine sichere Rechtsgrundlage brauche, unter anderem mit Blick auf den Datenschutz.

Erfahrungen mit den Monocams gibt es bereits in Rheinland-Pfalz. Dort ist laut dem dortigen Innenministerium der Handy-Blitzer seit April im Raum Trier im Einsatz. Auch für die übrigen Regionen des Bundeslandes wurden inzwischen Monocams beschafft, die bald eingesetzt werden sollen. Die Kamera filmt Autofahrer von erhöhten Positionen, wie etwa Autobahnbrücken. Schilder am Straßenrand weisen darauf hin. Erkennt die Künstliche Intelligenz des Systems ein Handy in der Hand, wird ein Foto gespeichert. Polizisten überprüfen später, ob tatsächlich eine illegale Handynutzung vorliegt. Bei einem ersten Test des Systems 2022 seien an 88 Tagen mehr als 1200 Verstöße festgestellt worden.

Weniger ablenkende Funktionen: Ganz grundsätzlich gibt es in modernen Autos nach Ansicht von Fachleuten zu viele ablenkende Funktionen. Wünschenswert wäre, wenn Handy-Benachrichtigungen während der Fahrt abgestellt würden, meint etwa Unfallforscher Siegfried Brockmann. Doch nicht nur moderne Telefone sind den Experten ein Dorn im Auge. Auch moderne Bedienelemente halten sie für teilweise zu sehr ablenkend. Laut Brockmann sollten wichtige Funktionen wie die Außenbeleuchtung oder die Klimaanlage verpflichtend mit tatsächlichen Schaltern und Knöpfen einstellbar sein statt über Touchbildschirme.

Auch eine gute Sprachsteuerung sei wünschenswert, sagte Unfallforscherin Zeidler. Der Verkehrssicherheitsrat wünscht sich zudem eine flächendeckende Nutzung von Müdigkeitswarnern im Auto. Die können teilweise auch Ablenkung durch Handy-Nutzung erkennen und sind seit 2024 in Neuwagen Pflicht.

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