Welt im Umbruch – die Siko auch

von Redaktion

Zwei prominente Gäste der Siko 2026: Friedrich Merz, jetzt Kanzler, und Jens Stoltenberg, verhinderter Chef. © Stroh/dpa

München – Ein paar Wochen ist es her, da reiste Jens Stoltenberg mal wieder nach Berlin. Dort traf Norwegens Finanzminister seinen deutschen Amtskollegen Lars Klingbeil (SPD), später sagte er ein paar nette Worte zum 70. Geburtstag von Frank-Walter Steinmeier, den er eine „moralische Stimme“ in Europa nannte. Es sei ihm eine Ehre gewesen, ließ der 66-Jährige dann noch wissen – und reiste flugs wieder ab.

Deutschland als Boxenstopp, das war anders geplant. Eigentlich sollte Stoltenberg in diesem Jahr die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz übernehmen, sein Vorgänger Christoph Heusgen musste – wohl nicht ganz freiwillig – weichen. Es war eine Prestige-Entscheidung: ein früherer Nato-Chef an der Siko-Spitze, was für ein Coup. Nur lässt der Wechsel auf sich warten. Der Norweger ist seit einem Jahr Minister in Oslo, will später zur Siko stoßen, Zeitpunkt offen. Vorerst springt Vorvorgänger Wolfgang Ischinger ein, Planung und Umsetzung übernimmt Siko-Vize Benedikt Franke.

Das weltweit wichtigste Treffen zur Sicherheitspolitik, das vom 13. bis 15. Februar im Bayerischen Hof stattfindet, befindet sich im Umbruch – und das jetzt, da die alte Weltordnung in Auflösung begriffen ist. Die Erwartungen sind immer hoch, diesmal sei der Druck aber immens, heißt es aus den Reihen der Veranstalter. Das hat naheliegende Gründe: In Zeiten ernster Krisen wirkt ein Treffen, das sich dem (auch schwierigen) Dialog verschrieben hat, wie ein Rettungsanker.

Richtig rund, so der Eindruck, läuft es allerdings nicht. Beispiel Iran: Nach drei Jahren sollten diesmal wieder Vertreter Teherans nach München kommen. Doch dann rollte die Protestwelle an, die das Regime blutig niederschlug. Erst als das Auswärtige Amt die Teilnahme Teherans „unangebracht“ nannte, lenkten die Siko-Organisatoren ein und zogen die Einladung zurück. Auch die Entscheidung, AfD-Vertreter einzuladen, stieß auf Kritik: CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann sprach wegen der Russland- und China-Kontakte der Partei von einem „Sicherheitsrisiko“. Bisher ist die Teilnahme von drei AfD-Politikern bekannt – Parteichefin Alice Weidel ist nicht darunter.

Insgesamt werden Gäste aus rund 100 Ländern erwartet; unter den knapp 50 Staats- und Regierungschefs ist auch Friedrich Merz (CDU), der zum ersten Mal als Kanzler teilnimmt. Thematisch soll es neben akuten Krisen und Kriegen um die Zukunft des Multilateralismus, die transatlantische Sicherheit und die Handlungsfähigkeit Europas gehen. Der wohl kontroverseste Gast in diesem Zusammenhang hat aber abgesagt. US-Vize JD Vance, der Europa letztes Jahr mit einer bitterbösen Rede die Freundschaft kündigte, bleibt der Siko diesmal fern. Donald Trump selbst reiste lieber nach Davos.

Die Veranstalter rechnen trotzdem mit einer „hochrangigen amerikanischen Delegation“, Berichten zufolge soll aber Außenminister Marco Rubio die US-Gäste anführen. Er gilt als einer der wenigen in der Trump-Truppe, die noch transatlantisch denken.

Auf einer informellen Teilnehmer-Liste, die unserer Zeitung vorliegt, stehen Mette Frederiksen (Dänemark), Witali Klitschko (Kiew), Kyriakos Mitsotakis (Griechenland), Gitanas Nauseda (Litauen), die deutschen Minister Lars Klingbeil, Boris Pistorius, Alexander Dobrindt und Johann Wadephul, Andrej Plenkovic (Kroatien), Edi Rama (Albanien), Nato-Chef Mark Rutte, Alexander Stubb (Finnland), Ursula von der Leyen (EU-Kommission), Minnesotas Gouverneur Tim Walz und der Sondergesandte Steven Witkoff; aus Syrien ein Geheimdienstchef und ein Minister. Außerdem: prominente Ex-Politiker wie Robert Habeck, Tony Blair, Hillary Clinton, Rishi Sunak und Sebastian Kurz.

Und Stoltenberg? Kommt wohl auch. Allerdings als Gast, noch nicht als Chef.

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