19 Jahre lang haben die EU und Indien um ein Freihandelsabkommen gefeilscht, vergeblich. Jetzt ist ausgerechnet der Zollkrieger Trump in nur einem Jahr zum „Dealmaker“ wider Willen geworden: Um sich gegen die Übergriffigkeiten der USA und Chinas besser wehren zu können, verbünden sich mit Europa und Indien die größten Demokratien der Welt in einer Freihandelszone, die zwei Milliarden Menschen und damit ein Viertel der Weltbevölkerung umfasst.
Für die Europäer könnte der mit 6,5 % schneller als China wachsende Subkontinent mit seinen 1,45 Milliarden Bürgern zum Wirtschaftsturbo werden, aber auch zum geostrategischen Kristallisationspunkt einer Staatengruppe, die sich nicht von Peking und Washington schikanieren lassen will. EU-Chefin Ursula von der Leyen pries die Übereinkunft deshalb auf Trump-Art als „Mutter aller Abkommen“. Nun sind von der Leyens Superlative mit Vorsicht zu genießen: Den „European Green Deal“, mit dem sich Europa in der Klimapolitik kräftig verhob, hatte die Kommissionschefin einst als europäischen Mondlandungsmoment bejubelt. Bis alle merkten, dass es eine Bruchlandung war.
Dennoch: Mit der „Mutter aller Abkommen“ kann Europa die Blamage mit der Stiefmutter aller Abkommen, dem vom Brüsseler EU-Parlament vorerst gestoppten Mercosur-Handelsdeal mit Südamerika, ein wenig kaschieren. Zu hoffen ist, dass die Grünen ihre harte Lektion gelernt haben und sich im zweiten Anlauf, wenn es um die vorläufige Anwendung von Mercosur geht, nicht noch einmal so unsterblich blamieren.