Russland kann Krieg führen, solange China will

von Redaktion

Ökonom und Russland-Kenner Vasily Astrov.

Trotz aller Sanktionen kann Russland noch Drohnen und Raketen in die Ukraine schicken. Sind die Sanktionen noch nicht hart genug? Das erklärt der Ökonom und Russland-Kenner Vasily Astrov.

Wie sehr spürt Russland die Energie-Sanktionen?

Wenn es darum geht, die Kriegstüchtigkeit Russlands einzuschränken, hat der Preisdeckel auf russisches Öl wenig bis gar nichts gebracht. Die Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte wurden entweder gar nicht versichert oder eben bei den Unternehmen, die nicht in den westlichen Staaten ansässig sind. Effektiver war das Import-Embargo in Europa: Russland kann seine Lieferungen inzwischen zwar hauptsächlich nach Indien und China schicken, muss dort aber Preisabschläge hinnehmen. Gegen russisches Gas wurden die EU-Sanktionen erst vor kurzem im Rahmen des 19. Sanktionspakets verhängt. Inzwischen wurde aber die Pipeline Nordstream 1 gesprengt und die Ukraine hat den Gastransitvertrag mit Gazprom nicht verlängert. Der russische Marktanteil auf dem europäischen Gasmarkt ist auf nur noch 20 Prozent gefallen, verglichen mit 40 Prozent vor dem Krieg. Das ist ein Problem für Russland, aber die Einnahmen aus dem Öl-Handel sind deutlich wichtiger.

Trump hat jetzt die zwei größten russischen Ölkonzerne sanktioniert.

Die neuen US-Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft waren am Anfang ein ziemlicher Schock für den Kreml und haben bereits zu einem massiven Anstieg des Preisabschlags für russisches Öl geführt. Er ist nur vergleichbar mit den Preisabschlägen, die wir unmittelbar nach der Verhängung des EU-Importembargos gesehen haben. Die Erfahrung aus den Biden-Sanktionen im Januar 2025 zeigt aber, dass im Laufe der kommenden Monate Wege gefunden werden, um diese Sanktionen zu umgehen.

Trotzdem ist der Krieg extrem teuer. Wie kann Russland das bezahlen?

2023 und 2024 ist die russische Wirtschaft mit je über vier Prozent stark gewachsen, was dem Staat hohe Steuereinnahmen brachte. Außerdem hat Russland in den Jahren zuvor gezielt Schulden abgebaut: Die öffentliche Schuldenquote liegt bei etwa 16 Prozent des BIP. In Deutschland sind es 63 Prozent. Damit hat der Kreml noch viel Spielraum, um Geld bei den heimischen Banken auszuborgen.

Wie lange wird Russland noch Geld haben?

Russland gibt heute rund sieben Prozent seines BIP für Militär aus. Das ist für europäische Verhältnisse viel, aber die USA haben im Kalten Krieg über Jahrzehnte lang zehn Prozent oder sogar mehr ausgegeben, die Sowjetunion sogar bis zu zwanzig. Aber das Plateau wurde, glaube ich, erreicht: Dieses Jahr sollen die Militärausgaben nach offiziellen Angaben leicht sinken. mas

Artikel 6 von 11