Polizisten knien auf Pretti und töten ihn kurz darauf. © x
Minneapolis – Es ist eine kuriose Allianz für die USA. Nach den Todesschüssen von ICE-Beamten in Minneapolis auf den 37-jährigen Alex Pretti fordern nun nicht nur Amerikas Linke eine lückenlose Aufklärung, sondern auch erzkonservative Organisationen wie die mächtige Waffenlobby NRA (National Rifle Association) und republikanische Politiker. Präsident Donald Trump schickte jetzt seinen ICE-Chef Tom Homan nach Minneapolis. Aufklären soll Homan jedoch nicht, sondern die überraschende Reduzierung der dort agierenden ICE-Beamten auf gerade einmal 320 Mann überwachen.
Die Erklärungsnot ist groß, denn die vorliegenden Videos widersprechen der Erklärung Trumps, Pretti habe eine akute Bedrohung für die Beamten dargestellt. Die NRA, die konservative Politiker jährlich mit Millionenspenden unterstützt, weiß: Der Getötete hatte einen Waffenschein, der ihn berechtigte, seine Pistole vom Typ Sig Sauer auch in der Öffentlichkeit verdeckt am Körper zu tragen. Die NRA fürchtet eine schleichende Unterhöhlung der US-Waffenbesitzrechte.
Die Details der Tötung deuten darauf hin, dass ein ICE-Beamter mit nur einer falschen Warnung die Tragödie einleitete und seine Kollegen zum Schießen in vermeintlicher Notwehr animiert hatte. Denn ein Video zeigt, wie ein ICE-Cop sich in Richtung der Taille von Pretti bewegt – und dann mit der Pistole des Mannes in der Hand wegtritt. Bei korrektem Training hätte der ICE-Beamte die von Pretti entfernte Waffe über seinen Kopf gehalten und gerufen: „Weapon clear!“ Doch er schwieg und trat einen Schritt zurück. Einer der anderen ICE-Fahnder sah dann das leere Holster am Körper des sich am Boden wehrenden Aktivisten – und rief die Warnung „Gun!“ seinem Team zu. Daraufhin glaubten die Männer, Pretti habe die Pistole gezogen – und feuerten zehn Schüsse ab.
Gestern kam es in Arizona zu einem weiteren Schusswaffenvorfall, bei dem auch der US-Grenzschutz involviert war. Medienberichten zufolge wurde dabei ein Mensch schwer verletzt. Er befand sich im kritischen Zustand, wie die Sender NBC News und Fox News unter Berufung auf lokale Behörden berichteten. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des Sheriff-Büros im Ort Arivaca, der nahe der Grenze zu Mexiko liegt. FRIEDEMANN DIEDERICHS