Na bitte, geht doch: Die Koalition wagt einen ersten Schritt Richtung Flexibilisierung und Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt. Anstelle des alten, relativ starren Acht-Stunden-Tags soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten. Das hilft Unternehmen und Beschäftigten. Eltern etwa können sich ihre Betreuungszeit unter der Woche flexibler einteilen, und Betriebe haben ihre Leute zur Verfügung, wenn sie sie am dringendsten brauchen. Das spart den einen Nerven und den anderen Geld.
Der (richtigen) Forderung des Kanzlers, die Deutschen müssten wieder mehr arbeiten, wird damit noch nicht Genüge getan. Doch ist die Regierung auch da auf dem richtigen Weg, wenn sie Überstundenzuschläge steuerfrei stellen will. Das ist besser, als das Recht auf Teilzeit einzuschränken, wie es der CDU-Wirtschaftsflügel vorgeschlagen hat. Mehrarbeit lässt sich nicht mit Zwang verordnen, dafür braucht es Anreize und Freiwilligkeit.
Jetzt müssen die SPD-Chefs das nur noch den mit ihnen verbündeten Gewerkschaften verklickern. Die setzen bei den Arbeitszeiten weiter auf staatlichen Zwang und starre gesetzliche Vorgaben, weil sie gedanklich im Industriezeitalter stehen geblieben sind. Damals galt es die Arbeiter(innen) vor Ausbeutung zu schützen; heute müssen sich Unternehmen anstrengen, um angesichts des Fachkräftemangels ihre Angestellten zu halten. GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET