Berlin – Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat im Bundestag zum Kampf gegen einen zunehmenden Antisemitismus aufgerufen. „Lassen Sie es nicht zu, dass der Antisemitismus wieder wächst“, rief Friedman am Mittwoch den versammelten Politikern zu. Dieser sei „nicht verschwunden, er hat sich angepasst“. Vor einem wieder „gesellschaftsfähig“ werdenden Judenhass warnte auch Parlamentspräsidentin Julia Klöckner (CDU).
Der Bundestag erinnerte in einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus. Dabei waren neben den Abgeordneten und Mitgliedern der Bundesregierung unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) anwesend. Der Pianist Igor Levit und die Flötistin Meret Louisa Voge spielten zudem Musikstücke von Komponisten, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden.
Die Gedenkstunde findet jährlich rund um den 27. Januar statt, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. Friedman zeigte sich „sehr geehrt“, im Bundestag sprechen zu dürfen. Sie spreche nicht nur für sich selbst, sondern auch für die sechs Millionen getöteten Juden, betonte die 87-Jährige. Es sei für sie das erste Mal, wieder in Deutschland zu sein.
„Ich verließ Auschwitz mit dem Gedanken, dass ich mich nie wieder fürchten müsste, weil ich Jüdin bin“, sagte die Holocaust-Überlebende. Doch die Zeiten hätten sich geändert: „Jetzt 81 Jahre später hat sich ein Großteil der Welt gegen uns gewandt.“ Friedman rief dazu auf, sich dem zunehmenden Antisemitismus entgegenzustellen. Wenn Antisemitismus geduldet werde, würden die demokratischen Werte an sich geschwächt. „Die Geschichte hat uns gezeigt, dass es niemals neutral ist zu vergessen, sondern vielmehr gefährlich.“