Stuttgart – Am Ende des sechsjährigen Reformprozesses des katholischen Kirche in Deutschland gab es noch einmal leidenschaftliche Debatten, große Emotionen und eindringliche Appelle. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, wie wenig die Beschlüsse in den Diözesen umgesetzt werden. Die Hütte brennt!“: Diese Feststellung kam nicht etwa von einem der reformhungrigen Laien aus der 177-köpfigen Synodalversammlung, sondern von dem Stuttgarter Dekan Christian Hermes. Ein Priester, der mit seinem offenen Bekenntnis die Delegierten so sehr beeindruckte, dass es von vielen Teilnehmern immer wieder zitiert wurde.
Bis zuletzt wurde an einer Schlusserklärung gefeilt. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der den Synodalen Weg zusammen mit dem Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) initiiert hatte, um dem Vertrauensverlust in der Kirche durch den Missbrauchsskandal etwas entgegenzusetzen, warnte vor einem negativen Urteil: „Wir wollen Ort der Hoffnung sein. Es kann nicht sein, dass am Ende steht: Wir sind gescheitert“, wehrte er sich gegen ein zunächst kritischeres Schlusswort. Wer solle auf dieses Schiff aufsteigen, wenn gesagt werde, es sei fünf nach Zwölf?
Zum Abschluss am Samstag in Stuttgart zeigten Bischöfe, Ordensleute und Laien letztlich aber große Einigkeit, dass die Reformbemühungen fortgesetzt und verstetigt werden sollen. Kontrovers beurteilten die Teilnehmenden die Wirksamkeit des bisherigen Dialogs sowie die Umsetzung der gefassten Beschlüsse. Dazu zählen Forderungen nach mehr Mitbestimmung und Befugnissen für Laien, der Zugang von Frauen zu Weiheämtern, Segnungen für homosexuelle Paare und eine bessere Missbrauchsprävention.
Das Präsidium des Synodalen Wegs zog eine positive Bilanz. „Wir haben es geschafft“, sagte die Präsidentin des Synodalen Weges, Irme Stetter-Karp, am Samstag mit Erleichterung. Der Noch-Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, der sich bei der Frühjahrsvollversammlung Ende Februar nicht mehr zur Wahl stellt, sagte: „Synodalität ist das Zukunftsmerkmal der Kirche – weltweit und in Deutschland. Ich bin froh und dankbar, dass die beiden synodalen Prozesse – der römische Weg und unser Weg – mittlerweile gut ineinandergreifen. Es gibt kein Gegenüber mehr, Kirche ist ein Miteinander, und Synodalität ist die Zukunft des Miteinanders der Kirche.“
Bischof Bätzing zeigte sich zuversichtlich, dass es für das synodale Folgeprojekt (siehe Kasten) Zustimmung im Vatikan geben wird. Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, der in den vergangenen Monaten häufiger in Rom war, um das Reformprojekt er erklären, das im Vatikan mit viel Argwohn betrachtet wurde. Allerdings sorgte die Tatsache, dass der Vatikan auf mehrere Briefe aus Deutschland, auch vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, nicht einmal mit einer Eingangsbestätigung geantwortet hatte, für viel Unmut unter den Delegierten. Vier Bischöfe lehnen den Synodalen Weg weiter rigoros ab: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der Passauer Bischof Stefan Oster und der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. CLAUDIA MÖLLERS