Lächelnd an die Macht

von Redaktion

Den Haag – „Ein Posterboy mit ewigem Zahnpasta-Lächeln“ – so bezeichnete die belgische Zeitung „Het laatste nieuws“ den niederländischen Politiker Rob Jetten (38) nach dessen überraschendem Sieg bei der Parlamentswahl im Nachbarland Ende Oktober. Tatsächlich sind Lächeln und Freundlichkeit eine Art Markenzeichen des Chefs der linksliberalen D66-Partei – doch es sind nicht seine einzigen Stärken. Wer ist der Mann, der kurz davorsteht, der jüngste Ministerpräsident der Niederlande zu werden?

Der designierte Regierungschef will die Niederlande nach einem gewaltigen Rechtsruck und Regierungskrisen in den vergangenen Jahren wieder „nach vorne blicken“ lassen, wie er nach seinem Wahlsieg gegen den Rechtspopulisten Geert Wilders (62) sagte. Der 38-Jährige gilt als dynamisch, pragmatisch und zugänglich – Qualitäten, die ihm geholfen haben dürften, in schwierigen Verhandlungen eine Dreierkoalition der D66 mit der christdemokratischen CDA und der rechtsliberalen VVD zu schmieden. Gerade präsentierte Jetten mit seinen Partnern den Koalitionsvertrag für eine Minderheitsregierung.

Wahlmotto von Obama abgeguckt

Einfach werden dürfte seine Regierungsaufgabe in der Tat nicht, denn die Dreierkoalition wird auf Stimmen der Opposition angewiesen sein. Sie kommt nur auf 66 von 150 Stimmen in der Tweede Kamer in Den Haag. Er werde die Zusammenarbeit suchen, kündigte der Ministerpräsident in spe an – „manchmal mehr mit rechten Parteien, manchmal mit linken Parteien“.

Jetten kann zumindest gut vermitteln – das hat er schon im Wahlkampf bewiesen. Seine Wahlkampagne hatte er ganz bewusst als Kontrapunkt zur Hass- und Hetzpolitik des Rechtspopulisten Wilders aufgezogen: In den Mittelpunkt stellte er positive Botschaften wie Miteinander, Optimismus, Fortschritt. Er wolle Tempo machen, das Land mit Lösungen voranbringen, versprach der charismatische Politiker. Sein Wahlkampfmotto „Het kan wel“ („Es geht doch“) entlehnte er frech bei Ex-US-Präsident Barack Obama („Yes, we can“).

Die Kampagne verfing: Am Ende gewann Jettens D66 die Parlamentswahl knapp vor Wilders Anti-Islam-Partei PPV – mit einem Vorsprung von weniger als 30 000 Stimmen. Beide Parteien kamen damit auf 26 Sitze im Parlament. Doch für Wilders bestand keine Regierungschance, da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit ihm ablehnten. Hier will Jetten ansetzen und versuchen, die Oppositionsfraktionen im Parlament von seinen Lösungen für die Probleme des Landes wie Wohnen, Migration, Sicherheit, Verteidigung zu überzeugen.

Trotz seines jungen Alters blickt er bereits auf solide politische Erfahrung zurück. Schon während seiner Studentenzeit führte er die D66-Jugendorganisation Jonge Democraten. 2017 wurde er erstmals ins Parlament in Den Haag gewählt. Jetten machte schnell Karriere als Fraktionschef, hat zudem Regierungserfahrung: Unter dem damaligen Premierminister Mark Rutte war er 2022 bis 2024 Klima- und Energieminister. Privat lebt er in einer Beziehung mit dem argentinischen Feldhockey-Nationalspieler Nicolás Keenan. Sie gehen offen mit ihrer Homosexualität um.SIMONE TOURE

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