Kaum Zeit zum Atemholen für die Ukraine: Ein Soldat in einer Metro-Station in Kiew. © AFP
München – Zermürbt von Kälte und Dauer-Bombardement: Über die wachsende Kriegsmüdigkeit in der Ukraine wird viel gesprochen. Doch nicht nur Präsident Wolodymyr Selenskyj steht angesichts der Probleme durch die russischen Angriffe auf Städte und Infrastruktur unter Druck, sich bei den für morgen geplanten Verhandlungen in Abu Dhabi kompromissbereit zu zeigen. Denn die russische Wirtschaft hat nach vier Jahren Krieg und Sanktionen massive Probleme. So große Probleme, dass Wladimir Putins Kurs, die russische Bevölkerung die Folgen seines Angriffskriegs möglichst nicht spüren zu lassen, nicht länger aufgeht.
Eine interne Analyse der Bundesregierung zeigt laut „Bild“, dass Putin nicht länger in der Lage ist, die massiven Probleme abzufedern. „Der Negativtrend der russischen Wirtschaftslage verstärkt sich“, heißt es in der Regierungs-Analyse. Das russische Wirtschaftsministerium bezifferte den durchschnittlichen Preis für russisches Öl im Dezember auf 39 Dollar pro Barrel – im August waren es noch über 57. Die Öl-Einnahmen, die früher die Hälfte des russischen Staatshaushalts finanzierten, decken nur noch 22 Prozent des Etats. Das bedeutet: Die Schulden steigen massiv. Und nach Angaben von US-Präsident Donald Trump am Montagabend will nun auch noch Indien künftig deutlich weniger russisches Öl beziehen.
Die Kriegskosten machen laut der Analyse mittlerweile 40 Prozent des Staatshaushalts aus. Das Haushaltsdefizit Russlands belief sich 2025 auf rund 72 Milliarden Dollar, der höchste Wert seit 2009. Der Haushalt sei ein „Kriegshaushalt“. Auch die Rücklagen schmelzen dahin: Der russische Staatsfonds schrumpfte demnach auf umgerechnet 42 Milliarden Euro, was nur noch die Hälfte der Mittel vor Kriegsbeginn sei.
Weil der europäische und der US-Markt weggebrochen sind, wird Russland immer abhängiger von China. Die Regierungs-Analyse zeigt, dass Russland mittlerweile 87 Prozent der kriegswichtigen Industriegüter aus China bezieht. Die Produktion ziviler und militärischer Güter in Russland selbst gehe dagegen wegen Finanzierungsproblemen zurück.
Über Jahre hinweg hatte Putin seine Legitimität vor allem aus wirtschaftlicher Stabilität bezogen. Möglich waren die Stabilisierung des Haushalts und des Arbeitsmarkts sowie eine niedrige Inflation aber nur dank der florierenden Öl- und Gas-Geschäfte. Doch die Sanktionen und das härtere Vorgehen der USA gegen die russische Schattenflotte treffen das Wirtschaftsmodell hart.
Zusätzlich unter Druck gerät Moskau durch militärische Aktionen der Ukraine. Seit November greift Kiew mit Drohnen russlandnahe Tanker an. Auch Raffinerien auf russischem Gebiet wurden attackiert. In mehreren Landesteilen kam es laut „Watson.de“ zu Treibstoffengpässen.
Selenskyj erklärte dazu, wirtschaftlicher Druck sei der entscheidende Hebel: Russland müsse das Geld für den Krieg ausgehen, damit ein Ende möglich werde.