Heikle Fotos aus den Epstein Files: Ex-Präsident Bill Clinton mit unkenntlich gemachten jungen Frauen oder Mädchen im Flugzeug und sogar im Pool. © Justice Department / PA
Washinton – Lange hatten sie sich gewehrt, nun gibt das Ehepaar Clinton klein bei: Bill und Hillary sind nun doch zu einer Aussage vor einem Kongressausschuss bereit. Damit kamen sie einem drohenden Verfahren wegen Missachtung des Kongresses zuvor. Ihre Anwälte argumentieren, beide hätten den Abgeordneten bereits „vorsorglich und freiwillig“ alle verfügbaren Informationen zur Verfügung gestellt. Clintons Sprecher bekräftigte, das Ehepaar habe „unter Eid gesagt, was sie wissen“, doch das sei den Abgeordneten „egal“. Die Clintons hätten „in gutem Glauben verhandelt, Sie nicht“, hieß es an die Mitglieder des Ausschusses gerichtet. Beobachter erwarten, dass die republikanische Mehrheit versuchen wird, den medialen Fokus weg von Donald Trump hin auf die Clintons zu richten.
Clintons Name taucht – wie der von Trump und vieler weiterer Politiker und Prominenter – in den bisher veröffentlichten Epstein-Akten auf. Ein Fehlverhalten konnte weder dem aktuellen noch dem ehemaligen Präsidenten nachgewiesen werden. Trotzdem könnten weitere Enthüllungen für beide heikel werden. Trump veranlasste im November sogar Ermittlungen gegen den Ex-Präsidenten und weitere Politiker der Demokraten. „Aufzeichnungen zeigen, dass diese Männer und viele andere große Teile ihres Lebens mit Epstein und auf seiner ‚Insel‘ verbracht haben“, behauptete Trump sogar.
Epstein war bereits 2008 verurteilt worden, weil er Minderjährige für sexuelle Handlungen bezahlt hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft lautete die Strafe damals aber nur 18 Monate Gefängnis. 2019 wurde Epstein erneut festgenommen – wieder wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Rund einen Monat später fand man den 66-Jährigen erhängt in seiner New Yorker Gefängniszelle. Heute geht es in der politischen Debatte vor allem darum, wer nach der ersten Verurteilung 2008 noch engen Kontakt zu dem Mulitmillionär hatte.
In vielen Ländern gibt es nun Schlagzeilen: Der britische Premier Keir Starmer ordnete eine Untersuchung der Kontakte des früheren Wirtschaftsministers und britischen Botschafters in den USA, Peter Mandelson, zu Epstein an. Im Raum steht der Vorwurf, Mandelson habe sensible Informationen an Epstein weitergegeben. Gestern gab er seinen Platz im britischen Oberhaus ab.
Der frühere britische Prinz Andrew steht seit Monaten im Mittelpunkt des Skandals. Auch seine Ex-Frau Sarah Ferguson rückt inzwischen ins Rampenlicht: „Danke Jeffrey, dass du der Bruder bist, den ich mir immer gewünscht habe“, schrieb sie in einer Mail an Epstein. Auch der Name des früheren französischen Kultur- und Bildungsministers Jack Lang kommt in den neuen Akten vor.
Auch wenn das alles keine Beweise für Fehlverhalten sind, bleiben Fragezeichen. Vor allem in Norwegen, wo Kronprinzessin Mette-Marit eine besondere Vertrautheit zu Epstein zeigte. Unter anderem fragte die Frau von Kronprinz Haakon den Millionär in einer E-Mail, ob es „für eine Mutter unangemessen ist, als Bildschirmschoner für ihren 15-jährigen Sohn ein Bild von zwei nackten Frauen, die ein Surfbrett tragen, vorzuschlagen“. Epstein war da schon wegen Sex mit Minderjährigen verurteilt! Pikant: Der heute 29-jährige Sohn Mette-Marits steht seit gestern in einem Vergewaltigungsprozess vor Gericht.MIK/DPA/AFP