Kiew – Bei einem überraschenden Solidaritätsbesuch in der Ukraine hat Nato-Generalsekretär Mark Rutte Russland angesichts neuer heftiger Angriffe den Willen zum Friedensschluss abgesprochen. Während seines Aufenthaltes in Kiew wurde für die Hauptstadt erneut Luftalarm ausgelöst. Die vorherigen nächtlichen Angriffe hätten explizit auf die Energieversorgung gezielt und seien die „schwersten seit Jahresbeginn“, erklärte das ukrainische Energieunternehmen DTEK. Hunderttausende Familien waren demnach bei Temperaturen um die minus 20 Grad ohne Strom und Heizung.
Es seien zwar inzwischen direkte Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien im Gange, was „ein wichtiger Schritt nach vorn“ sei, sagte Rutte in einer Rede vor dem ukrainischen Parlament. „Aber russische Angriffe wie die von vergangener Nacht zeugen nicht von einem wirklichen Friedenswillen.“ Zugleich betonte der Nato-Generalsekretär: „Die Ukraine ist und bleibt von entscheidender Bedeutung für unsere Sicherheit. Unser Engagement für die Ukraine ist ungebrochen.“ Er forderte die Unterstützer des Landes zu weiteren Waffenlieferungen auf.
Rutte traf am Vormittag in Kiew ein. Während des Besuches wurde Luftalarm wegen eines möglichen russischen Raketenangriffs ausgelöst. Während die Sirenen heulten, warnte die Armee vor der „Gefahr einer ballistischen“ Rakete.
Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj feuerten die russischen Streitkräfte in der Nacht mehr als 70 Raketen und 450 Drohnen ab. Moskau nutze „die kältesten Tage des Winters, um Menschen zu terrorisieren“. Dies sei offenbar wichtiger für den Kreml, als „sich der Diplomatie zuzuwenden“, fügte er einen Tag vor geplanten neuen Gesprächen beider Seiten in den Vereinigten Arabischen Emiraten hinzu.