Die Bahnstrecke Nürnberg–Regensburg liegt zwar ein Stück weg vom Münchner Großraum. Doch die Totalsperrung ab heute wird auch der Pendler in Oberbayern spüren. 350 Züge müssen Ausweichrouten fahren – und sie werden oft über die heute schon überlasteten Bahnstrecken in Südbayern gelotst. Zugleich wird für Züge ins Allgäu das Tempo gedrosselt, und es gibt an diesem Wochenende mal wieder in München eine Stammstrecken-Sperrung. Die wievielte eigentlich? Und wie viele folgen noch? Es ist fast egal. An den ernüchternden Alltag im Bahnland Bayern hat man sich fast gewöhnt.
Die Bahn muss ihre Strecken sanieren, das stimmt. Doch sie darf auch die jetzt zahlenden Fahrgäste nicht vergessen. Politik und Bahn warben einst für die 2. Stammstrecke auch mit dem Argument, dass deren Bau doch unterirdisch erfolge und den bestehenden Betrieb nicht berühre. Die Realität ist leider anders. So bleibt nur übrig, wieder und wieder auf Missstände bei Baustellenplanung und Ersatzverkehr hinzuweisen. Beispielsweise wären Pendel-S-Bahnen zwischen Pasing und Hauptbahnhof schön, um eine Sperrung zu überbrücken. Doch die Bahn sieht sich dazu nicht in der Lage.
Der Konzern ist leider oft ein schwerfälliger Tanker, an dem fast alles abprallt und der nach einmal getroffenen Entscheidungen auf Einwände von außen kaum reagiert. Und das im Großen wie im Kleinen. Noch ein Beispiel: Nach der Generalsanierung Nürnberg – Regensburg – Passau folgt 2027 die Totalsperrung Rosenheim – Salzburg, im Jahr darauf München – Rosenheim. Jedes Mal mit viel Umleitungsverkehr und Zugausfällen. Güterbahnen im In- und Ausland, die Westbahn und die Bayerische Regiobahn laufen Sturm gegen diesen angedrohten Stillstand. Eine Teilsanierung mit Ein-Gleis-Betrieb sei ausreichend, heißt es selbst aus dem bayerischen Verkehrsministerium. Doch die Kritik blieb bisher ungehört.
Den Beweis, dass sich daran etwas ändert, muss die neue Bahnchefin Evelyn Palla erst noch antreten.DIRK.WALTER@OVB.NET