Suche nach dem Täter: Polizisten vor dem Moskauer Wohnhaus des russischen Geheimdienstlers Wladimir Alexejew, der schwer verletzt wurde. © HECTOR RETAMAL/AFP/DPA
Moskau – Der stellvertretende Chef des russischen Armeegeheimdienstes Wladimir Alexejew ist nach einem Attentat schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der 64-Jährige wurde nach Behördenangaben in einem Wohnhaus im Nordosten Moskaus angeschossen. Der Täter sei auf der Flucht, die Fahndung angelaufen, teilte das Ermittlungskomitee mit. Zu den Hintergründen weiß man wenig. Aber Moskau weiß schon, wer es war: die Ukrainer.
Medienberichten zufolge ereignete sich die Tat am frühen Morgen und damit kurz nach dem Ende einer Verhandlungsrunde zu einem Ende des Ukraine-Krieges in Abu Dhabi. Der General sei in seinem Wohnhaus vor dem Fahrstuhl mehrmals in den Rücken geschossen worden, berichtete der den Sicherheitsorganen nahestehende Telegramkanal Mash. Mindestens drei Kugeln hätten den Geheimdienstler getroffen – zwei im Bauchbereich, eine im Bein. „Alexejew hat sehr viel Blut verloren“, schrieb Mash.
Gesucht wird nach einem mittelgroßen Mann zwischen 35 und 45 Jahren. Der Verdächtige soll bei seiner Flucht mehrfach von Kameras erfasst worden sein. Moskau hat bereits vor Jahren ein umfassendes Überwachungssystem mit mehr als 200000 Kameras in den Hauseingängen und Höfen eingerichtet. Viele von ihnen sind mit einem System zur Gesichtserkennung verbunden.
Alexejew wurde im Gebiet Winnyzja in der heutigen Ukraine geboren. Seine gesamte noch in Sowjetzeiten beginnende militärische Karriere hat er aber in Russland verbracht. Dort war er zuletzt Vizechef des Armeegeheimdienstes GRU. Während des Syrien-Kriegs leitete er dort die Geheimaktionen des russischen Militärs. Nach Beginn des Kriegs in der Ukraine war er für die Aufstellung von sogenannten Freiwilligenbataillonen mitverantwortlich. In Kiew wird er zudem wegen der Bereitstellung von Daten für die Luftschläge gesucht, bei denen Zivilisten ums Leben kamen.
Es ist nicht das erste Mal, dass hochrangige russische Militärs zur Zielscheibe von Attentaten werden. Im April 2025 kam Generalleutnant Jaroslaw Moskalik durch die Explosion einer Autobombe ums Leben. Im Dezember 2024 war mit Igor Kirillow der Chef der russischen ABC-Abwehrtruppen ebenfalls durch einen Bombenanschlag getötet worden. Der ukrainische Geheimdienst bekannte sich zu der Tat. Russland hat die Anschläge als Terrorismus und als Zeichen dafür, dass Kiew nicht an einem Frieden interessiert sei, verurteilt.
Auch in diesem Fall erhebt Außenminister Sergej Lawrow schwere Vorwürfe gegen die Ukraine. „Dieser Terrorakt hat erneut die Ausrichtung des Selenskyj-Regimes auf ständige Provokationen bestätigt, die wiederum darauf zielen, den Verhandlungsprozess zu untergraben“, sagte der russische Chefdiplomat.
Der Anschlag auf Alexejew kommt zu einem heiklen Zeitpunkt: In Abu Dhabi am Persischen Golf ging erst am Donnerstag eine Verhandlungsrunde über die Beendigung des Ukraine-Kriegs zu Ende. Die russische Delegation wurde dabei von GRU-Chef Igor Kostjukow angeführt, dem unmittelbaren Vorgesetzten Alexejews. Die Verhandlungen wurden von allen Beteiligten als produktiv bezeichnet. Als greifbares Ergebnis gibt es bislang einen Gefangenenaustausch.
Ob und wie die Gespräche nun weitergehen, ist offen.