WIE ICH ES SEHE

Deutschland steuert richtig – im Trippelschritt

von Redaktion

In den vergangenen zehn Monaten sind von der neuen Bundesregierung durchaus beachtliche wirtschaftsfreundlichere Reformen verabschiedet worden. Einiges ist auch noch in Vorbereitung, wie die Veränderung der Arbeitszeitordnung von der Tagesarbeitszeit auf die Wochenarbeitszeit. Das macht Arbeiten wertvoller und flexibler, ist aber nur ein erster Schritt. Ein freies Land, wie die Schweiz zum Beispiel, hat eine Jahresarbeitszeit, was für Saisonbetriebe ein großer Vorteil ist.

Statt sich über Bemühungen zu freuen, unser Land flexibler und damit auch wieder erfolgreicher zu machen, wird gerne herumgemäkelt. Niemand mag auch hören, wenn sogar ein Bundeskanzler sagt, wir müssen mehr arbeiten.

Tatsächlich wird schon lange bei uns deutlich weniger gearbeitet als in den meisten OECD-Ländern. Bis vor Kurzem kamen wir damit noch zurecht, weil die Arbeitsproduktivität bei uns deutlich höher lag und ständig weitergewachsen ist. Mit anderen Worten: Eine Arbeitsstunde in Deutschland erbrachte zunehmend mehr als eine Stunde Arbeit in den meisten anderen Ländern. Da ist das eigentliche Alarmzeichen, dass seit 2020 diese Arbeitsproduktivität in Deutschland nur um 0,3 Prozent pro Jahr gewachsen ist. Das liegt deutlich unter dem, was langfristig für ein Wohlstandswachstum nötig wäre. Die Gründe dafür, dass die Wirtschaftsleistung pro Arbeitsstunde ungenügend wächst, liegen in der Überregulierung und der Überschüttung von Wirtschaft wie Verwaltung mit in Wahrheit sinnlosen bürokratischen Aufgaben und Lasten. So werden immer mehr Menschen mit unproduktiven Aufgaben beschäftigt. Deutsche sind nicht faul, aber unsere Gesellschaft ist top-heavy, das heißt, der Kopf, die Bürokratie, der Überbau, ist riesig. Er steht aber auf zu wenig Beinen, wenn es zur praktischen Durchführung kommt.

Es gibt bei uns junge Talente, die nachwachsen in der Wirtschaft. Aber weil es wegen der Bevölkerungsentwicklung nicht mehr so viele sind, ist die aktuelle Diskussion um zu viel Teilzeit-Arbeit berechtigt. Jeder mag entscheiden, wie viel er arbeiten will, und das mit seinem Arbeitgeber vereinbaren. Der CDU-Wirtschaftsrat hat aber zu Recht darauf hingewiesen, dass solche Vereinbarungen nicht einseitig verändert werden sollten. Der 2001 und 2019 eingeführte Anspruch erst auf „Teilzeit“ und dann sogar auf „Brückenteilzeit“ mit dem Recht, jederzeit zur vollen Arbeitszeit zurückzukehren, ist ein Eingriff in die Vertragsfreiheit. Über dessen Berechtigung unter heute veränderten Umständen darf anscheinend auch in der CDU nicht einmal mehr offen diskutiert werden. Dafür bezieht der Wirtschaftsrat auch innerparteilich gleich Prügel.

Dass es in Deutschland überhaupt noch vorangeht, trotz der Einschränkung der Vertragsfreiheit auf so vielen Gebieten der Wirtschaft und der Verwaltung, liegt an der großen Zahl kleiner, mittlerer und sehr großer Familienunternehmen. Die bleiben auch unter dem Mehltau von Vorschriften innovativ. 60 Prozent der bei uns tätigen Menschen sind dort beschäftigt. Nach Umfragen sind sie auch die beliebtesten Arbeitgeber. Die Politik muss weitergehen auf dem Weg zu mehr Deregulierung.

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