Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern: Das deutsch-französisch-spanische Kampfflugzeugprojekt FCAS ist gescheitert. Zu unterschiedlich waren nationale Wünsche an den Einheitsjet. Wir könnten in gegenseitigen Schuldzuweisungen Trost suchen. Doch wer profitiert davon? Oder wir versuchen, Zusammenarbeit anders zu organisieren.
Jeder, der nicht völlig verblendet ist, weiß, dass wir aufgrund der veränderten Bedrohungslage größere und stärkere Verteidigungskräfte brauchen, als wir noch 2023 glaubten. Die vermeintlich kostensparende und daher notwendige Vereinheitlichung wird dadurch relativiert. Sie hat ohnehin nie wirklich Geld gespart. Beim Militärtransporter A400 nicht und beim Kampfhubschrauber Tiger nicht, um nur zwei Beispiele zu nennen. Bisherige militärische Gemeinschaftsprojekte krankten daran, dass man versuchte, zu viele nationale Wunschzettel unter einen Hut zu bringen. Das kostete oft Jahre an Entwicklungszeit und Unsummen an Finanzmitteln.
Warum konzentrieren wir uns nicht auf die gemeinsame Entwicklung teurer Komponenten – etwa Triebwerke oder Cockpit-Architektur –, identifizieren mögliche Gleichteile für Großserien und setzen auf eine gemeinsame Kommunikationsstruktur. Und jeder baut daraus, was er braucht. Die Franzosen Jets für ihre Flugzeugträger und Waffenträger für die Force de Frappe. Die Deutschen Flieger für Luftabwehr und zur Unterstützung für Bodentruppen. Vier oder fünf höher spezialisierte europäische Kampfflugzeuge müssten unter dem Strich nicht teurer werden als das heutige Trio von Eurofighter, Raffaele und Gripen – oder gar als ein einheitlicher Alleskönner.
Europa ist geprägt durch Vielfalt – an Sprachen, an Kulturen, und an nationalen Eigenheiten. Das macht es uns oft schwer, ist aber zugleich unsere größte Stärke. Warum sollten wir alles vereinheitlichen und standardisieren? Wir haben Vielfalt und können nicht nur – wie Despoten in Ost und West – Einheitsbrei. Wir sollten das pflegen und stolz darauf sein.
MARTIN.PREM@OVB.NET